Jan Ullrich : Moralisch gedopt

Juristisch ist nach dem Abgleich der Blutproben nicht bewiesen, dass Jan Ullrich gedopt hat. Mit Manipulationsvorwürfen wird sein Name trotzdem immer verbunden bleiben. Der 33-Jährige hat moralisch gedopt - dazu braucht es keine weiteren Beweise. Ein Kommentar von Benedikt Voigt

Berlin - Eines vorweg: Juristisch ist Jan Ullrich nicht des Dopings überführt. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat nur bestätigt, dass die in Spanien gefundenen Blutbeutel mit der Aufschrift "Jan" tatsächlich dem deutschen Radstar gehörten. Damit ist immer noch nicht bewiesen, dass Jan Ullrich sie zum Zwecke des Dopings bei dem Arzt Eufemiano Fuentes gelagert hatte. Zudem spricht sein Verteidiger davon, dass die Blutproben in Spanien auch manipuliert worden sein könnten. Naja.

In Wirklichkeit wird der Namen Jan Ullrich fortan untrennbar mit Doping verbunden bleiben. Warum sonst hat Fuentes zahlreiche Blutbeutel von Jan Ullrich und anderen Radprofis aufbewahrt? Zu Forschungszwecken? Wenn ja, warum hat er die Blutbeutel auch noch mit sonderbaren Codenamen wie "Hijo de Rudicio" und "Jan" versehen? Noch seltsamer erscheint angesichts der neuen Beweislage, dass Jan Ullrichs von Beginn an geleugnet hat, Fuentes zu kennen. Warum wohl will er einen Arzt nicht kennen, der neun Beutel prall gefüllt mit seinem Blut besitzt?

Wer Jan Ullrich trotz seiner seltsamen Ausführungen in seiner Rücktrittspressekonferenz geglaubt hat, obwohl dort keine Fragen zum Doping zugelassen waren, wer ihm immer noch vetraute, obwohl er in der Fernsehsendung "Beckmann" beim Thema Doping herumgestottert hat, der sollte spätestens seit gestern eines Besseren belehrt worden sein. Moralisch hat Jan Ullrich gedopt. Dazu braucht es keine weiteren Beweise. (Von Benedikt Voigt)

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