Jan Ullrich : Niederlage und Burnout

Jan Ullrich verliert vor Gericht gegen den Biologen Werner Franke, der behauptet hatte, Ullrich habe Geld für Doping bezahlt. Es ist nicht der einzige Rückschlag für den früheren Tour-de-France-Gewinner.

Jan Ullrich. Foto: dpa
Jan Ullrich.Foto: dpa

Berlin - Seit seinem Rücktritt am 26. Februar 2007 wurde Jan Ullrich vornehmlich als wenig glaubhafter Doping-Leugner wahrgenommen. Am gestrigen Freitag entschied nun zum ersten Mal ein Gericht, dass die Behauptung des Molekularbiologen Werner Franke, Ullrich habe Geld für Doping bezahlt, als „wahr anzusehen sei“. Mit dieser Begründung wies das Hamburger Oberlandesgericht am Freitag die Ullrich-Klage gegen Franke ab wegen dessen Äußerung, der Tour-de-France-Sieger von 1997 habe dem mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes für dessen Dienste mindestens 35 000 Euro gezahlt. Für Ullrich ging damit eine vierjährige Dauerfehde mit dem Anti-Doping-Experten und hartnäckigen Radsport-Kritiker Franke zu Ende.

Fast zeitgleich mit seiner Schlappe im Prozess teilte Ullrich mit, er leide an einem Burnout. Via Internet verabschiedete sich der 36-Jährige deshalb für die „nächsten Monate aus der Öffentlichkeit“ und machte Nachfragen dadurch nahezu unmöglich. „Das eine hat mit dem anderen null zu tun“, sagte Ullrichs Manager Wolfgang Strohband. Ullrichs Anwalt Marcus Hotze erklärte: „Wir halten die Entscheidung des Gerichts im Kern für falsch. Aus unserer Sicht gibt es angesichts des Gesundheitszustandes von Jan Ullrich derzeit aber Wichtigeres als einen Rechtsstreit über die Auslegung von Äußerungen.“ Strohband wollte sich zum Urteil nicht äußern: „Warum sollen wir Werner Franke einen Plattform bieten?“

Franke sieht in dem Urteil einen Erfolg für die Wissenschaft. Er selbst habe dem Gericht Unterlagen vorgelegt, die Dopingmissbrauch von Ullrich beweisen würden, sagte der Heidelberger. Überraschend kam das Urteil für ihn nicht. „Das war nach der mündlichen Verhandlung am 2. Juli abzusehen“, sagte er. „Nun kann nur logisch folgen, dass strafrechtliche Ermittlungen wegen falscher Versicherung an Eides statt eingeleitet werden.“

Ullrich will sich wegen seiner Burnout-Erkrankung für „eine längere Behandlung“ in professionelle Hände begeben und appellierte auf seiner Homepage, seine Privatsphäre und die seiner Familie zu respektieren und zu wahren. dpa

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