Sport : Jan Ullrich steigt beim Giro aus

Hartmut Scherzer (mit dpa)

Passo di San Pellegrino – Seine Masseurin Birgit Krohme wartete noch hinter dem Ziel auf der Passhöhe. Doch Jan Ullrich kam nicht mehr. Vor dem zehn Kilometer langen Schlussanstieg auf den Passo di San Pellegrino war der Kapitän des T-Mobile-Teams im Ferienort Falcade zum direkt an der Strecke liegenden Hotel Stella Alpina links abgebogen. „Ich wollte nicht überziehen“, sagte Ullrich. Sein Ausstieg beim Giro d’Italia habe „nichts mit den Anschuldigungen“ in Zusammenhang mit der spanischen Doping-Affäre zu tun, in der auch der Name des deutschen Radprofis genannt wurde (siehe Beitrag rechts). „Ich kann mir von so einer Meldung nicht meinen Trainingsplan diktieren lassen. Ein vorzeitiger Ausstieg beim Giro war von vornherein eine unserer Optionen“, sagte Ullrich, der das Rennen als 43. der Gesamtwertung aufgab. „Ich fühle mich gut, auch wenn ich natürlich ein bisschen müde bin. Ich werde jetzt bei mir zu Hause in der Schweiz trainieren, um mich weiter konsequent auf die Tour de France vorzubereiten.“

Ein anderer Deutscher schien derweil um den Etappensieg zu kämpfen: Jens Voigt. Der treue Assistent von Spitzenreiter Ivan Basso kletterte am Hinterrad des Spanischen Meisters Juan Manuel Garate die Serpentinen zur 1918 Meter hohen Bergankunft hinauf. 350 Meter vor dem Ziel fuhr Voigt mit schweren Beinen an Garates Seite, klopfte ihm anerkennend auf den Rücken und ließ ihn ziehen. Eine sportliche Geste nach 221 Kilometern und 7:13 Stunden im Sattel. „Alte Schule“, sagte Voigt. „Ich habe den ganzen Tag nicht geführt. Beim Anstieg habe ich zu Garate gesagt: Mach dir keine Sorgen. Der Sieg gehört dir.“

Ullrich fuhr nur noch seine letzten Trainingskilometer im Hochgebirge. Am Morgen vor dem Start hatte er über die Presseabteilung die Absicht mitteilen lassen, den Giro an diesem Tag zu beenden. Er ließ lediglich offen, ob er unterwegs aussteigen oder die drittletzte Etappe zu Ende fahren würde. Der Giro hatte seinen Trainingszweck erfüllt. „Die Härte der Etappen hat etwas gebracht. Es hat mir auch Spaß gemacht. Ich habe sogar eine Etappe gewonnen“, sagte Ullrich. „So ein Zeitfahren gewinnt man nicht aus dem Stegreif. Ich spüre, dass ich besser und besser geworden bin. Ich musste nicht ans Limit gehen, um die Etappen zu überstehen.“

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