Sport : Jan Ullrich wollte Treffen mit Kanzlerin

Mathias Klappenbach

Berlin - Jetzt hat sich Jan Ullrich gemeldet. Bei der Bundeskanzlerin. Michael Stehle, ein Freund und Geschäftspartner des unter Dopingverdacht stehenden Ullrich, hat nach einem Bericht der „Sport-Bild“ eine E-Mail an das Bundeskanzleramt geschickt, in der Ullrich um ein Treffen mit Angela Merkel bittet. „Wir haben gemeinsam überlegt, was man tun kann“, sagte Stehle dem Tagesspiegel. „Wir wollen das Bild von Jan in der Öffentlichkeit gerade rücken. Er ist nicht verurteilt. Und seine Verdienste werden nicht genügend gewürdigt.“

Bis zur Kanzlerin ist die vor ein paar Wochen gesendete Einladung aber wohl gar nicht gekommen. „Das Bundeskanzleramt ist auf Beamtenebene auf Jan Ullrich angesprochen worden. Der zuständige Mitarbeiter hat wiederholt die klare Haltung der Bundesregierung gegen Doping deutlich gemacht. Er hat klargestellt, dass ein Treffen mit Jan Ullrich nicht in Betracht kommt“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. „Jetzt ist ein hartes Vorgehen gegen das Doping im Sport erforderlich. Die deutsche und internationale Öffentlichkeit wartet nach den Geständnissen von anderen Radprofis immer noch auf eine persönliche Erklärung von Jan Ullrich.“

Davon ist aber nach wie vor nicht die Rede. Dafür will Ullrich laut Stehle „seine Hilfe anbieten. Niemand besitzt im Radsport in Deutschland größere Kompetenz. Er hat viel für das deutsche Allgemeinwohl getan.“ Stehle ist von der Idee des Treffens überzeugt. „Es wäre schön, wenn sich Frau Merkel klar positionieren würde. Sonst ist es in der Politik ja üblich, sein Fähnchen nach dem Wind zu hängen.“ Merkel hat sich vor zwei Wochen klar gegen Doping positioniert. Und alle Doping-Sünder dazu aufgefordert, „sich ehrlich zu machen und das Schweigekartell zu brechen“.

Für Michael Stehle steht Jan Ullrich aber „besser da als die Telekom-Riege mit ihren Geständnissen. Er ist für einen sauberen Radsport und könnte sich beispielsweise in der Jugendförderung engagieren. Da ist es natürlich auch denkbar, dass er Anti-Doping-Programme unterstützt.“ Mathias Klappenbach

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