• Jana Kandarr: Mit guten Leistungen möchte die Heidelbergerin den Sprung in das deutsche Sydney-Team schaffen

Sport : Jana Kandarr: Mit guten Leistungen möchte die Heidelbergerin den Sprung in das deutsche Sydney-Team schaffen

Vor dem deutschen Prestigeduell Thomas Haas kontra Nicolas Kiefer hat gestern Debütant Alexander Popp beim Wimbledon-Tennisturnier seinen ersten Sieg unter Dach und Fach gebracht. Der Münchner gewann bei dem mit 12,5 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turnier seine Erstrunden-Partie gegen Ronald Agenor aus Haiti mit 0:6, 7:5, 7:6 (12:10), 6:2. In Runde zwei trifft der 23-Jährige nun auf den eher als Sandplatz- und Hartplatz-Spezialist geltenden Amerikaner Michael Chang.

Dagegen ist die Leverkusenerin Barbara Rittner erste deutsche Tennisspielerin in Wimbledon ausgeschieden. Die 27 Jahre alte Fed-Cup-Spielerin unterlag am Dienstag in der ersten Runde der Rumänin Catalina Cristea mit 5:7, 6:2, 9:7 und verpasste es damit, Anke Huber (Karlsdorf) und Jana Kandarr (Heidelberg) in die zweite Runde des wichtigsten Grand-Slam-Turniers zu folgen.

Nach Redaktionsschluss dieser Augabe mussten noch David Prinosil (Amberg) gegen Sargisjan (Armenien) sowie Greta Arn (Düsseldorf) gegen Jelena Dokic (Australien) und Marlene Weingärtner (Leimen) gegen Sylvia Plischke aus Österreich ihre Erstrunden-Begegnungen absolvieren.

Dabei geht es in Wimbledon auch um die Olympia-Tickets. Mit starken Leistungen beim Grand-Slam-Turnier in London können sich die sonst so schwachen deutschen Spielerinnen die Traumreise an das andere Ende der Welt noch verdienen. Bislang ist lediglich Anke Huber für das deutsche Olympia-Team gesetzt. Gut zwölf Wochen vor den Olympischen Spielen hat neben der Karlsdorferin nur noch Jana Kandarr mit ihrer Achtelfinal-Teilnahme Anfang des Jahres bei den Australian Open in Melbourne den vom Deutschen Tennis Bund geforderten Leistungsnachweis erbracht. "Ich weiß aber trotzdem nicht, ob ich dabei sein darf", rätselte die 23-Jährige vor ihrem Zweitrunden-Spiel gegen Lisa Raymond (USA) oder Jana Nejedly (Kanada).

Auch Bundestrainer Markus Schur tappt im Dunklen. Das Nationale Olympische Komitee (NOK) wird seine Vorschläge erst noch begutachten und die tennisspielenden Sydney-Fahrerinnen Anfang August benennen. Schur hofft, mit "möglichst vielen Mädchen" reisen zu dürfen. Vor allem Barbara Rittner (Leverkusen) kommt als Doppel-Partnerin für Anke Huber noch in Frage. Der Rest müsste schon ein Wunder in Wimbledon vollbringen, um in Sydney dabei sein zu dürfen. Die Situation ist exemplarisch für die Lage im deutschen Damen-Tennis. Ein Jahr nach dem Rücktritt von Steffi Graf ist ein Ende der Krise nicht in Sicht. In Wimbledon wenigstens hat Jana Kandarr mit einem feinen Auftakt-Erfolg (6:4, 6:2) über Henrieta Nagyova (Slowakei) weiter Werbung in eigener Sache gemacht. "Unzweifelhaft ist Barbara die beste Doppel-Partnerin für Anke Huber", sagt Schur, der gewichtige Argumente für eine Dreier-Lösung ins Feld führt: "Mit einer guten Auslosung ist eine Medaille im Doppel drin." Doch die Sportart Tennis hat bei den deutschen Olympia-Funktionären scheinbar keine große Lobby: Vor vier Jahren musste der Münchner Bernd Karbacher als Weltranglisten-28. daheim bleiben. Zum Vergleich: Jana Kandarr ist in der Damen-Rangliste auf Platz 96; Barbara Rittner gar erst auf Rang 113 eingestuft.

"Ich würde die Reise nach Sydney auch selber bezahlen. Es wäre ein Traum für mich, wenn ich dabei sein dürfte", hofft Jana Kandarr. Ihrer Mutter Petra Vogt, 1969 dreifache Sprint-Europameisterin, war der Olympia-Start nicht vergönnt. Sie zog sich kurz vor dem Ziel in der Qualifikation einen Muskelbündelriss zu, Renate Stecher holte 1972 für die DDR in München Gold. Nun will ihre Tochter Jana, die gerade in Karlsruhe ihr Abitur baut und auf einen Einserschnitt hofft, den olympischen Traum der Familie erfüllen.

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