Janne Ahonen : Der letzte seiner Art

Janne Ahonen gehört zur alten Generation der Skispringer. Nach seinem Sieg in Bischofshofen könnte der Finne als erster zum fünften Mal die Vierschanzentournee gewinnen.

Benedikt Voigt

BischofshofenEs hat sich immer noch nicht zu allen herumgesprochen, dass Janne Ahonen in Wirklichkeit ein humorvoller Typ ist. „Der Finne sagte wie immer nichts“, diktierte ein österreichischer Reporter in Garmisch-Partenkirchen lapidar in sein Telefon, dabei hatte er Minuten zuvor miterleben dürfen, dass der 30 Jahre alte Ahonen durchaus spricht. Nur eben nicht viel, wenn er auf einem Podium sitzt. Ob er den hervorragenden Sprung von Gregor Schlierenzauer miterlebt habe, lautete die Frage nach dem zweiten Springen der Vierschanzentournee. „Ja“, antwortete Ahonen. Und was anschließend sein Plan gewesen sei? „Ihn zu schlagen“, sagte Ahonen. Alle lachten.

Seit 15 Jahren versucht Janne Ahonen im Skispringen alle zu schlagen, und es gelingt ihm immer noch ganz gut. Nach einem zweiten und einem dritten Platz lag er vor dem dritten Springen der Vierschanzentournee in Bischofshofen (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe beendet) aussichtsreich im Rennen um den Gesamtsieg. Die österreichischen Tourneefavoriten Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern haben gute Gründe, den Altmeister auch vor dem heutigen abschließenden Springen (16.30 Uhr, live im ZDF) zu fürchten. „Die Erfahrung spricht für mich“, sagte Janne Ahonen vor den beiden Springen in Bischofshofen. Viermal hat er die Vierschanzentournee bereits gewonnen, neben ihm hat das nur noch Jens Weißflog geschafft. Falls ihm heute der fünfte Erfolg gelingt, wäre Janne Ahonen alleiniger Rekordsieger. Und könnte anschließend aufhören?

Die Gerüchte wollen nicht verstummen, dass die aktuelle Saison seine letzte sein könnte. Janne Ahonen hält sich bedeckt: „Das werden wir sehen, im Moment konzentriere ich mich auf das Skispringen.“ Die Alternative wäre, bis zu den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver weiterzumachen. Doch es dürfte nicht mehr viele Ziele geben für ihn. Ein Olympiasieg ist ihm noch nicht gelungen, ansonsten aber hat er im Skispringen alle Titel gewonnen. Wenn er neben dem 21-jährigen Gaudiburschen Thomas Morgenstern und dem 17-jährigen Gregor Schlierenzauer sitzt, wirkt er wie ihr Vater. Hier der reife Ahonen, der im Sommer beim Dragster-Racing Rennmaschinen lenkt, die 1000 PS stark sind und bis auf 450 Stundenkilometer beschleunigen. Dort der unbedarfte Schlierenzauer, der noch überlegt, was er mit dem Auto zu tun gedenke, das er als Vierschanzentourneesieger bekommen würde. Er besitzt noch gar keinen Führerschein.

Janne Ahonen ist neben dem Polen Adam Malysz und dem Österreicher Martin Höllwarth der letzte Vertreter seiner Generation. Er hat Helden wie Sven Hannawald oder Sigurd Pettersen kommen und wieder gehen sehen. Er sprang in der Ära der Leichtgewichte vorne mit und als vor fünf Jahren der Bodymassindex und die neuen Sprunganzüge eingeführt wurden, um das Hungern der Springer zu beenden, flog er anschließend erneut weit.

Allein seine Schwächen bei der Landung ziehen sich über die Jahre hinweg. „Ich habe da schon immer Schwierigkeiten“, sagte Janne Ahonen, „ich bekomme seit vier, fünf Jahren nicht die besten Noten.“ Es gibt noch weitere Gründe für die Spekulationen um seinen Rücktritt. Inzwischen hat er in Finnland ein Geschäft für Motorrad- und Schneemobilzubehör eröffnet. Und: Janne Ahonen wird in diesem Jahr zum zweiten Mal Vater. Mit Frau Tiia hat er bereits den fünfjährigen Mico. Dessen Name ist der Skisprungwelt durchaus geläufig, seit Janne Ahonen 2003 nach seinem Tourneesieg in Bischofshofen seine Handschuhe in die Kameras reckte. „Moi Mico“ hatte er darauf mit einem Filzstift geschrieben, Hallo Mico. Als er dann seine Frau im Zielraum sah, die vom Fernsehsender RTL extra eingeflogen worden war, rutschten ein paar Tränen über seine Wangen. Für jemanden, der sich in der Öffentlichkeit so verschlossen gibt, waren das große Gefühlsregungen. Gut vorstellbar also, dass er für seine Familie die Karriere beenden würde. Und als Rekordsieger der Vierschanzentournee erst recht.

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