Sport : Japan liegt in weiter Ferne

Oliver Geden

Der große Coup ist in weite Ferne gerückt. Nach dem Last-Minute-Ausgleich in Israel träumte Österreich zwei Wochen lang von seiner achten WM-Teilnahme, möglichst noch versüßt durch ein gleichzeitiges Ausscheiden der deutschen Nationalkicker. Doch mit einer unglücklichen 0:1-Heimniederlage gegen die Türkei droht dem Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) nun nicht nur das Scheitern in der Relegation, sondern auch die Suche nach einem neuen Trainer. Die favorisierte türkische Elf begann zunächst furios, schnürte die Heimmannschaft in der eigenen Hälfte ein, ohne jedoch klare Chancen herauszuspielen. Erst nach zehn Minuten bekam das ÖFB-Team das Spiel allmählich in den Griff. Dessen international unerfahrene Defensivspieler, zum Teil erst in ihrem zweiten Länderspieleinsatz, schaltete die türkische Kreativabteilung um Hakan Sükür, Ergün und den Leverkusener Yildiray Bastürk fortan aus.

Doch auch die Bemühungen des Noch-Bremers Andreas Herzog, ein geordnetes Offensivspiel auf das Tor des türkischen Keepers Rüstü zu organisieren, fanden meist schon bei der dritten Anspielstation ihr Ende. In einem zerfahrenen Spiel behalfen sich beide Mannschaften mit zahlreichen taktischen Fouls, die den Spielfluß weitgehend zum Erliegen brachten. In der ersten Hälfte sahen die 48 500 Zuschauer im Wiener Ernst-Happel-Stadion lediglich zwei Torchancen. In der 26. Minute scheiterte Mario Haas frei stehend mit einem Kopfball am gut postierten Rüstü, im Gegenzug zog Okan nur knapp am langen Eck vorbei. "Wir wollten das Spiel machen, das hat nicht funktioniert, wir hatten kaum Chancen. Es war irgendwie nur eine Frage der Zeit, bis uns die Türken ein Tor schießen", resümierte Herzog später selbstkritisch. Es war abermals Okan, der in der 60. Minute einen der wenigen Stellungsfehler der österreichischen Abwehr ausnutzte und zum 0:1 einschoss.

Erst in den letzten 20 Minuten überzeugten die Gastgeber in ihren Angriffsbemühungen, angetrieben auch vom eingewechselten Unterhachinger Stefan Lexa. Die deutlich nachlassende Konzentration der Türken ermöglichte Österreich nun eine Vielzahl von Chancen, die größte vergab abermals Mario Haas, mit einem Kopfball-Aufsetzer an die Latte (75.). Anders als in vielen entscheidenden Spielen der letzten Jahre vermochte das ÖFB-Team auch die Nachspielzeit nicht zu einem Torerfolg zu nutzen. Stattdessen verwickelte sich der glücklose Haas unmittelbar nach dem Schlußpfiff in eine Rangelei mit seinen Gegenspielern, zu deren Auflösung gar Polizeikräfte herbeieilen mußten.

Während der türkische Teamchef Senol Günes dem Rückspiel in Istanbul einigermaßen gelassen entgegensehen kann, naht für seinen Kollegen Otto Baric der angekündigte Rücktritt im Falle eines Scheiterns in der WM-Qualifikation. Noch übt er sich allerdings im branchenüblichen Zweckoptimismus: "Das 0:1 bedeutet für das Rückspiel dasselbe wie ein 0:0. Wir müssen dort ein Tor schießen. Konditionell können wir es und wir werden bis zur letzten Minute alles unternehmen." Doch ein Weiterkommen des ÖFB-Teams würde beinahe an ein Wunder grenzen. Unter der zweieinhalb Jahre währenden Verantwortung von Baric hat Österreich nur einen einzigen Auswärtssieg erringen können: ein 1:0 in Liechtenstein.

Baric ist in Österreich seit längerer Zeit umstritten. Der Mann, der schon beim Bundesligisten VfB Stuttgart als Trainer gearbeitet hatte und dort mit dem Spruch "Ich möchte 1000 Prozent Erfolg" erst für Heiterkeit und dann für Kopfschütteln gesorgt hatte, war wegen seiner Sprüche und seiner Trainingsmethoden unter kritischer Beobachtung. Zudem hatte er es selten verstanden, einen guten Draht zu seinen Spieler zu finden. In Stuttgart im Übrigen, wo man mit Lautsprechern sowieso Probleme hat, ist Baric gescheitert. Überraschend kam das für die meisten Beobachter nicht.

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