Sport : JAPAN

Das japanische Rollenverhältnis ist recht konservativ, die Frau sollte eine prächtige Nelke sein: bescheiden, sanft und still. Wie soll man da einen Zweikampf

gewinnen?

Die Mannschaft der Frauen trägt den Spitznamen „Nadeshiko Japan“. Nadeshiko bedeutet auf Deutsch Prachtnelke, das ist eine wilde, fransige und in allerlei Rosatönen daherkommende Nelkenart. In der Phrase „Yamato Nadeshiko“ – Yamato ist ein alter Name für Japan – bezeichnet diese die traditionell erstrebenswerte, ideale Frau: bescheiden, zurückhaltend, sanft, für Ehemann und Kinder sorgend, dezent gekleidet. Fußballspielerinnen widersprechen diesem Frauenbild eigentlich schon per Definition – denn wie kann ein sanfter, zurückhaltender Mensch einen Zweikampf gewinnen? Aber der Name ist sinnbildlich für die Stellung der Frau in Japan. Obwohl viele Frauen arbeiten, ist es schwer für sie, in hohe Positionen zu kommen. Das Denken und der tägliche Umgang ist patriarchalisch behaftet. Das Bild der stillen, dienenden Frau dominiert immer noch das Denken vieler Menschen, der Name „Nadeshiko Japan“ wurde in einem öffentlichen Wettbewerb ausgesucht.

Vielleicht ändert der Sieg der Fußballerinnen gegen Deutschland jetzt diese Rolle ein wenig. Allerdings hat der Fußball in Japan nie so eine Popularität erlangt wie Baseball oder das seit Jahrhunderten gepflegte Sumo-Ringen. Vielleicht wurde deswegen Fußball zu einer kleinen Nische der Frauen, und das nicht nur bei den aktiven Spielerinnen. Angeblich versuchte man in den neunziger Jahren, nach der Neugründung der J-League der Männer, mit Werbekampagnen besonders weibliche Fußball-Fans anzusprechen.

Das Goethe-Institut beurteilt im Tagesspiegel die Rolle der Frau und des Frauenfußballs in den WM-Ländern.

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