Sport : Jara ist raus

Nach Anfeindungen aus dem Publikum trennen sich der 1. FC Kaiserslautern und sein Trainer

Oliver Trust[Kaiserslautern]

Wer am vergangenen Samstag die von tiefer Verärgerung gezeichneten Gesichtszüge von René C. Jäggi sah, dem war klar, es würde diese Woche in der Pfalz mächtig Ärger gegeben. Schimpfend und schnellen Schrittes verschwand der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern aus dem Presseraum. Dort saß Trainer Kurt Jara und konnte seinen Frust nach der 0:2-Niederlage gegen Hannover und den vereinzelten „Jara raus!“-Rufen nicht mehr unter Kontrolle halten. Er werde seine Zukunft noch einmal überdenken, hatte der 54 Jahre alte Österreicher unvermittelt vom Podium gepoltert. Er werde neu entscheiden, ob es nach den jüngsten Vorkommnissen überhaupt sinnvoll sei, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern. Dass das neueste Kapitel der stets unglücklichen Ehe zwischen Jara und dem FCK schon am frühen Nachmittag des Mittwochs zu einem solchen Abschluss führen würde, hat aber dann doch alle überrascht.

In einer ungewöhnlich langen Pressemitteilung gab der Klub die sofortige Trennung von Jara bekannt. Bis auf weiteres wird nun der FCK-Amateurtrainer Hans-Werner Moser (39) die Profis betreuen. Der Klub habe sich zur Trennung entschlossen, nachdem Jara das neue Angebot des FCK abgelehnt hatte. „Nachdem beide Seiten in vielerlei Hinsicht eigentlich schon Einigung über eine weitere Zusammenarbeit erzielt hatten, kam die aktuelle Entwicklung für den Verein überraschend“, sagte Jäggi. Der Vereinschef aus der Schweiz will sich mit der Suche nach einem neuen Trainer Zeit lassen. Angesprochen auf die Namen Klaus Toppmöller, Bruno Labbadia und Ciriaco Sforza sagte Jäggi: „Ich kann derzeit nichts ausschließen.“

Beim Gang in die Kabine am Samstag war Jara durch abfällige Gesten in Richtung des Publikums aufgefallen. „Er hat mich am Dienstagabend angerufen und mir gesagt, dass er den Stinkefinger, beziehungsweise die berühmte Faust gezeigt hat“, sagte Jäggi. „Aber das wäre auszubügeln gewesen.“ Als Jara aber den neuen Vertrag ablehnte, sei eine neue Situation entstanden. In einem langen Gespräch habe er Jara die möglichen Szenarien aufgezeigt. „Sieben Spiele gewinnen und ein Held sein oder sieben Spiele verlieren und gevierteilt werden.“

In der Pfalz ist er nie richtig glücklich geworden. Er beklagte sich über seinen schlechten Ruf und Antipathien der Anhänger. Nicht einmal in die Innenstadt wollte er sich noch wagen. Er erkunde mit seiner Frau lieber die Umgebung, sagte er frustriert und ging damals, im vergangenen Herbst, zum Gegenangriff über. „Ich werde hier nicht mehr alles schlucken“, hatte er geschimpft. „Was hier abläuft ist Mobbing, Mobbing gegen einzelne Spieler und Mobbing gegen mich. Vielleicht liegt es daran, dass ich Österreicher bin.“

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