Jaroslav Drobny : Herthas Mann für schwere Bälle

Jaroslav Drobny ist Herthas Rückhalt – weil er sich zum stabilsten Schlussmann der gesamten Bundesliga entwickelt hat.

Stefan Hermanns
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In guten Händen. Jaroslav Drobny.Foto: ddp

Berlin - Eine Trainingseinheit bei Hertha BSC in dieser Woche. Jaroslav Drobny steht im Tor, von der linken Seite kommt eine Flanke, der Stürmer steht sechs Meter vor ihm, er nimmt den Ball an, schießt – und wieder schafft er es nicht, den Torhüter zu bezwingen. Drobny lehnt sich an den Pfosten, schlägt ein Bein übers andere. Mich kann keiner, soll das wohl heißen. Der Ball ist an der Latte gelandet, zum dritten Mal schon bei dieser Übung. Glück hat der Kerl jetzt auch noch.

Aber mit Glück allein wird man nicht zum besten Torhüter der Bundesliga.

Jaroslav Drobny hat mehr als 80 Prozent der Bälle, die auf sein Tor kamen, gehalten, so viele wie kein anderer Torhüter der Liga. Doch Drobny spricht nicht gerne über sich und seine Leistungssprünge in dieser Saison. „Ich spiele nicht allein“, sagt er. „Wir haben noch nichts erreicht.“ Dass die Berliner in der Tabelle ziemlich weit oben stehen, ist aber nicht zuletzt sein Verdienst. „Er ist positiv, er hat eine positive Körpersprache. Das ist wichtig für die Mannschaft“, sagt Trainer Lucien Favre. „Er spielt eine super Saison.“

Wenn die Berliner heute im Olympiastadion auf den Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach treffen, ist das auch das Duell der beiden derzeit auffälligsten Torhüter der Liga: Jaroslav Drobny gegen Logan Bailly. Ein Duell, das Drobny zusätzlich anstachelt? „Ich kümmere mich nicht um andere Torhüter“, sagt der Tscheche. „Das ist nicht meine Art.“

Vor zwei Wochen standen beide im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Drobny bewahrte sein Team gegen die Bayern mehrmals vor einem Rückstand – und wurde von Bailly noch übertroffen. Der Belgier alleine war es, der den hyperdefensiven Gladbachern in Bremen einen Punkt rettete. Selbst Drobny hat das aus der Ferne mitbekommen: „Er hat sehr gut gespielt. Aber es war nur ein Spiel.“

Bei Drobny ist es längst mehr als nur ein Spiel. Der Tscheche hält die ganze Saison über konstant bis hervorragend. „Er hat Vertrauen in sich und seine Kollegen“, sagt Favre. Und vor allem spürt er inzwischen das Vertrauen seines Trainers. Das war nicht immer so. Favre und Drobny sind beide 2007 nach Berlin gekommen, doch als sich Favre für Hertha entschied, stand die Verpflichtung des Torhüters bereits fest. Der Trainer schwankte anfangs, ob er nicht Christian Fiedler den Vorzug geben sollte – und entschied sich auf den letzten Drücker für den Tschechen. Ohne den Bonus des Neuen hätte Drobny unter Favre wohl nicht gespielt. „Das erste Jahr war schwierig“, sagt Favre. Im zweiten aber hat der Torhüter ihn bereits mehrmals begeistert, vor allem beim Auswärtsspiel in Leverkusen. Drobny habe gehalten wie Jesus, sagte Favre nach dem glücklichen Sieg für die Berliner.

Wie bei Josip Simunic, den er anfangs auch nicht wollte, hat sich Favre in Drobny geirrt. Und so basiert Herthas Stabilität auf einer Defensive, die es eigentlich gar nicht geben dürfte: auf Drobny, Simunic und Arne Friedrich, den Favre lange auf die rechte Seite verbannte, bevor er ihn in die Innenverteidigung versetzte. Herthas Trainer war klug genug, seine Fehler zu erkennen und zu korrigieren.

„Er ist als guter Torwart hier hingekommen und noch besser geworden“, sagt Enver Maric. Zusammen mit Nello di Martino trainiert er Herthas Torhüter. „Jaro ist sehr stabil, sehr konstant, hält schwierige Bälle“, sagt Maric. Das Torwarttraining hat Drobny besser gemacht, obwohl er anfangs Probleme mit den technischen Übungen hatte. „Sie haben nicht versucht, mich mit Gewalt zu ändern“, sagt Drobny über seine Torwarttrainer. „Sie haben gesagt: Probier es einfach aus.“

Maric findet es normal, dass ein Torhüter, der wie Drobny in England, Holland und Griechenland gespielt hat, seine eigenen Vorstellungen hat – auch davon, welches Training für ihn am besten ist. „Je länger er hier ist, desto weniger macht er seine Übungen, desto mehr macht er unsere“, sagt Maric. Anfang des Monats, mit 29, hat Drobny sein erstes Länderspiel für Tschechien bestritten. „Er ist die Nummer zwei, mindestens“, sagt Favre. Um mehr zu werden, müsste Drobny Petr Cech vom FC Chelsea verdrängen. Ob er davon träume, Tschechiens Nummer eins zu werden, ist Drobny einmal gefragt worden. „Davon träume ich nicht“, hat er geantwortet. „Weil ich Realist bin.“

Schon in der vorigen Saison hat Drobny auf der Linie stark gehalten, in dieser Spielzeit hat er sich vor allem bei hohen Bällen verbessert. Und auch seine Abschläge, im modernen Fußball ein wichtiges Mittel zur Beschleunigung, haben deutlich an Präzision gewonnen. In Bielefeld leitete er mit einem langen Pass Herthas Führungstreffer durch Andrej Woronin ein. Dessen Einsatz gegen Gladbach ist nach wie vor fraglich. Der Ukrainer konnte auch gestern nicht trainieren.

Eine Trainingseinheit bei Hertha in dieser Woche. Der brasilianische Mittelfeldspieler Cicero steht im Tor, Drobny wartet im Strafraum auf die Flanken von Patrick Ebert. Immer wieder fliegen die Bälle heran. Drobny müht sich, aber von seinen 25 Versuchen landen gerade drei im Tor. „Er kann noch besser werden“, sagt Enver Maric. „Er ist noch jung.“

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