Jean-Pierre Papin : Europas Fußballer des Jahres in der zehnten Liga

Mit 45 Jahren kehrt Jean-Pierre Papin auf den Rasen zurück: Er will gelegentlich sonntags noch ein bisschen Spaß haben und kicken. Seine Profikarriere hat der ehemalige Bayern-Stürmer vor zehn Jahren beendet, als Trainer ist er derzeit ohne Job.

Matthias Sander[Bordeaux]
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Nur Augen für den Ball. Der einstige Starstürmer Jean-Pierre Papin will lieber Fußball spielen als Fußball trainieren. Foto: AFP

Jean-Pierre Papin gehört zweifellos zur Spezies der Fußballverrückten. Europas Fußballer des Jahres 1991 hatte seine Profikarriere vor zehn Jahren beim französischen Zweitligisten En Avant Guingamp beendet. Nun aber möchte der 45-Jährige wieder regelmäßiger seinem alten Beruf nachgehen: beim Zehntligisten AS Facture Biganos Boïen. Bei dem Verein aus einem Ort 40 Kilometer von Bordeaux verfiel man sofort in einen kollektiven Rausch, als Papin in den Weihnachtsferien eine Spielerlizenz für die Liga der Region Aquitanien beantragte. „Seine Erfahrung und seine Fähigkeiten werden uns sehr viel geben“, jubelte Vereinspräsident Patrice Rosselot.

Trainer Papin spielt jetzt für seinen einstigen Assistenten

Dass der einstige Mittelstürmer des FC Bayern München noch einmal in der Provinz spielt, hat Facture Biganos seinem Trainer Thierry Castets zu verdanken. Der ist mit Papin gut befreundet und begleitete ihn bereits zu Anfang seiner noch jungen Trainerkarriere. Zuerst war er Papins Assistent bei dessen Trainerdebüt beim Lokalrivalen FC Bassin d’Arcachon, dann folgte er ihm 2006 zum Zweitligisten Racing Straßburg, mit dem die beiden den sofortigen Wiederaufstieg feierten. „Jean-Pierre will ab und an sonntags Spaß haben“, sagt Castets über seinen Neuzugang. Der Trainer will den früheren Stürmer im Mittelfeld hinter den beiden Spitzen aufstellen, erzählt er am Telefon.

30 Tore in 54 Länderspielen

Papin selbst kann den Wirbel der französischen Öffentlichkeit um seine Rückkehr als Aktiver angeblich gar nicht verstehen. „Ja, ich fange wieder mit dem Fußball an, aber nur, um zwei, drei Spiele zu machen“, sagte er. Der einstige Torjäger der französischen Nationalmannschaft, der in 54 Länderspielen 30 Tore erzielt hat, ist nach dem Abstieg mit dem RC Lens in der vergangenen Saison derzeit ohne Trainerjob. Inzwischen verdient er sein Geld bei französischen Medien. Weil er am Wochenende im Fernsehen den Rückrundenauftakt der Ersten Liga kommentiert, verpasst er das Spiel seines neuen Vereins. Die Premiere im neuen Trikot soll in zwei Wochen nachgeholt werden.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Jean-Pierre Papin die Fans des Amateurfußballs beglückt. Vor fünf Jahren machte er mit seinen Toren die Union Sportive Cap-Ferret drei Spielzeiten lang zum Serienaufsteiger. Auch beim Tabellenführer Facture Biganos hofft man schon bald auf die eine oder andere „Papinade“. So heißt in Frankreich der von Papin perfektionierte Seitfallzieher mit Torabschluss.

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