Sport : Jeder gegen jeden

Aus dem Wett-Skandal könnten zahlreiche juristische Verfahren entstehen – ein Überblick

Steffen Hudemann

Berlin - Schiedsrichter Robert Hoyzer hat gestanden, vier Spiele manipuliert zu haben. Die Polizei hat drei mutmaßliche Hintermänner festgenommen, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Durch den Wettbetrug vermeintlich Geschädigte haben Klagen angekündigt. Das Geflecht aus mutmaßlichen Schiebern, Hintermännern und Geschädigten ist so kompliziert, dass selbst Sportjuristen Probleme haben, den Überblick zu behalten. Hier eine vereinfachte Aufzählung möglicher zivilrechtlicher Klagen, die auf die Gerichte zukommen könnten – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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Viele Geschädigte werden wohl abwarten, bis ein Strafverfahren abgeschlossen ist. Dort erhobene Beweise könnten auch vor den Zivilgerichten verwendet werden. Grundsätzlich werden die Kläger zunächst prüfen lassen, ob zu dem Beklagten ein Vertragsverhältnis besteht. Dann kann eine Verletzung einer Pflicht aus diesem Vertrag einen Schadensersatzanspruch begründen. Besteht keine Vertragspflicht, können sich die Geschädigten nur auf Ansprüche aus unerlaubter Handlung berufen, so genannte deliktische Ansprüche.

Vereine gegen Schiedsrichter

Geschädigte Vereine könnten sich mit Schadensersatzforderungen direkt an den Schiedsrichter wenden, der Spiele manipuliert hat. So könnte der HSV versuchen, den Schaden einzuklagen, der ihm durch das Ausscheiden im Pokalspiel gegen Paderborn entstanden ist. Die Manipulation müsste allerdings ursächlich für die Niederlage gewesen sein. Ob ein Klub wegen der Manipulation verloren hat oder deshalb, weil er schlecht gespielt hat, wird schwer zu beurteilen sein. Für den HSV könnten deshalb vor Gericht Beweiserleichterungen eintreten. Denn die Hamburger führten schon 2:0, bevor das Spiel durch den von Hoyzer gegebenen Elfmeter und die Rote Karte gegen HSV-Stürmer Mpenza eine andere Wendung nahm.

Vereine gegen DFB

In manipulierten Spielen unterlegene Klubs könnten auch versuchen, Schadensersatz vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) einzufordern. Kämen Gerichte zu dem Ergebnis, dass Vertragspflichten des DFB gegenüber den Vereinen verletzt sind, müsste der DFB auch ohne eigenes Verschulden für das Fehlverhalten seines Schiedsrichters einstehen. Denn wer andere zur Erfüllung wichtiger Aufgaben oder vertraglicher Pflichten einsetzt, muss für das Fehlverhalten dieses „Erfüllungsgehilfen“ haften. Bestehen keine vertraglichen Pflichten, wäre Robert Hoyzer nur „Verrichtungsgehilfe“ des Verbandes. Der Verband könnte sich in diesem Fall „exkulpieren“, wenn er nachweist, dass er seine Schiedrichter sorgfältig ausgesucht und überwacht hat. DFB-Präsident Theo Zwanziger hat aber angekündigt, dass der DFB außergerichtliche Lösungen finden will, wenn Spiele nicht mehr wiederholt werden können.

DFB gegen Schiedsrichter

Auch zwischen dem DFB und seinen Schiedsrichtern besteht ein Vertragsverhältnis. Aus diesem könnte der DFB von Schiedsrichtern den Schaden ersetzt bekommen, der ihm durch manipulierte Spiele entstanden ist.

Oddset gegen Schiedsrichter

Auch Wettanbieter wie Oddset, die durch den Betrug eines oder mehrerer Referees Vermögensschäden erlitten haben, könnten diese womöglich auf Schadensersatz verklagen. Nur – welchem Anbieter nützen die Schadensersatzansprüche gegen einen Schiedsrichter, wenn dieser womöglich nicht genug Geld zur Verfügung hat, um alle Forderungen zu begleichen?

Oddset/DFB/Vereine gegen Hintermänner

Die Geschädigten werden deshalb versuchen, Schadenersatz von den mutmaßlichen Hintermännern des Wettbetrugs zu erhalten. Die vom Betrug Betroffenen – etwa Oddset, der DFB, der HSV oder andere in manipulierten Spielen unterlegene Vereine – könnten auf diese Weise eine Kompensation für erlittene Vermögensschäden bekommen. Die Staatsanwaltschaft hat bei der Durchsuchung im Berliner Café King Vermögen in Höhe von 2,44 Millionen Euro beschlagnahmt. Damit könnten mögliche Ansprüche Geschädigter befriedigt werden.

Toppmöller gegen alle

Die Aussichten auf Schadensersatz für den ehemaligen HSV-Trainer Klaus Toppmöller sind nach Ansicht von Juristen eher gering. Das Problem: Es müsste ein Kausalzusammenhang zwischen der Spielmanipulation und Toppmöllers Entlassung bestehen. Das bedeutet, der Trainer müsste seinen Job gerade wegen der Manipulation verloren haben. Doch zwischen der Niederlage in Paderborn und Toppmöllers Entlassung lagen zwei Monate. Und Tabellenletzter war der HSV schon vor dem Spiel in Paderborn, ohne dass Hoyzer etwas dafür konnte.

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