Sport : Jeder will ein Teufel sein

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Daejeon (dpa). Portugiesen und Polen mussten schon dran glauben, die Italiener sollen die nächsten sein, die von Südkoreas Fußballern besiegt und nach Hause geschickt werden. 48 Millionen Koreaner hoffen, dass die Elf von Trainer und National-Held Guus Hiddink den Traum vom Viertelfinale verwirklicht und heute den Titelaspiranten Italien stürzt.

„Wir wollen weiter Geschichte schreiben“, sagt Mittelfeld-Ass Kim Nam-il . Die Euphorie in Korea ist riesig. Tagelang campierten einige hundert fanatische Fans vor dem Stadion am Spielort Daejeon, um noch eines der wenigen Tickets zu ergattern. Auf dem Schwarzmarkt wurden weit über 700 Euro für eine Eintrittskarte gezahlt. Selbst Hiddink, sonst eher zurückhaltend, wird von der allgemeinen Begeisterung angesteckt: „Ich bin immer noch hungrig auf Erfolg“, rief er den Fans zu.

Nach den unerwarteten Triumphen über Polen (2:0) und Portugal (1:0) hat die Mannschaft den Respekt vor den Stars aus Europa abgelegt. „Wir sind im Turnier gewachsen“, sagt Hiddink. Jetzt fühlen sich die Gastgeber sogar stark genug, um einen Titelfavoriten wie Italien zu schlagen. „Wir werden unsere Taktik nicht ändern und setzen ganz auf Offensive“, kündigt Hiddink an. „Wir sind schneller und motivierter“, glaubt Verteidiger Kim Tae-young. „So können wir jeden schlagen“, behauptet Ahn Jung-hwan, der beim AC Perugia in Italien spielt und den Gegner sehr gut kennt.

Südkorea muss diesmal allerdins ohne seinen zwölften Mann, Präsident Kim Dae Jung, auskommen. Mit ihrem Staatsoberhaupt auf der Tribüne schlugen die Koreaner Portugal und Polen. Ohne ihn reichte es gegen die USA nur zum 1:1. Hiddink ist dennoch siegessicher: In Suwon schaute er sich das Achtelfinale Spanien - Irland an. Schließlich brauchen auch Nationalhelden Informationen über den Gegner im Viertelfinale.

Nicht nur der Präsident ist Fan des Nationalteams, sondern so ziemlich jeder Koreaner, selbst wenn er vor der WM mit Fußball noch nicht allzu viel anfangen konnte. Es gibt mittlerweile kaum Südkoreaner, die sich nicht mit den „Red Devils“, dem Fanklub der Nationalmannschaft, identifizieren. Aus dem Verein weniger Fußball-Fanatiker ist eine Massenbewegung geworden, aus der Fan-Initiative Anfang der Neunzigerjahre eine feste Fußball-Institution. Für die Koreaner könnte die WM im eigenen Land noch lange dauern. „Für mich ist es die schönste Zeit in meinem Leben.“ Wie der 26- jährige Koch Yon-shik Park aus Seoul denken derzeit viele. Die Mitgliederzahl der Roten Teufel ist seit Turnierbeginn auf mehr als 200 000 gestiegen. Anfang Mai waren es noch 100 000.

Dabei begingen die Roten Teufel anfangs einen Tabubruch. Es ist noch nicht allzu lange her, dass die Farbe rot, die seit der WM allgegenwärtig ist, im Süden der Halbinsel verpönt war. Rot wurde mit Kommunismus gleichgesetzt. Noch heute stehen ungenehmigte Kontakte mit dem kommunistischen Nordkorea unter Strafe.

Auch von anderer Seite gab es Kritik an der nsgebung. Kirchengruppen verlangten vor der WM, die Bezeichnung zu ändern. Teufel seien die Feinde der Christen.

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