Sport : Jeder Wurf kein Treffer

Drei Punkte in einem Viertel: Alba Berlin hadert nach der Niederlage gegen Bamberg mit der Offensive

Benedikt Voigt

Berlin - Traurig glänzten die Augen von Stefano Garris mit den beiden Brillanten in seinen Ohren um die Wette. „Ich muss das erst mal verarbeiten“, sagte der Basketballprofi von Alba Berlin und blickte ratlos im Empfangsraum der Max-Schmeling-Halle umher. Seine Erklärungsversuche passten sich nahtlos seiner Leistung auf dem Parkett an. Warum sein Team so oft Schwierigkeiten gegen eine Zonenverteidigung hat? „Keine Ahnung“, sagte Stefano Garris.

Einmal, in der ersten Halbzeit, durfte er sich dem Ziel mit einem einfachen Linkskorbleger nähern, beim Wurf trennten ihn nur noch wenige Zentimeter vom Korb – hinein getroffen hat er trotzdem nicht. Mit keinem seiner acht Wurfversuche. Die Leistung von Stefano Garris beim 57:69 (35:42) gegen GHP Bamberg war symptomatisch für das Spiel von Alba Berlin. Lediglich 31 Prozent aller Würfe fanden ihren Weg in den Korb. „Wir haben in der Offensive nicht unseren Rhythmus gefunden“, sagte Albas Trainer Emir Mutapcic.

So kommt es, dass Bamberg in der Halbfinalserie, die nach dem Modus Best of five gespielt wird, nun mit 1:0 führt. „Wir haben uns den Heimvorteil zurückgeholt“, sagte Bambergs Trainer Dirk Bauermann, „das war wichtig für unser Selbstvertrauen.“ Sein Team ist in dieser Saison in den Play-offs ungeschlagen. In Berlin glänzte Bamberg durch mannschaftliche Geschlossenheit und ruhiges, langsames Spiel in der Offensive. „Wir haben im Angriff Geduld bewiesen“, sagte Bauermann. Damit gelang es Bamberg, den Berlinern ihren Stil aufzuzwingen. „Uns ist es nicht gelungen, das Spiel schneller zu machen“, sagte Aufbauspieler Mithat Demirel.

Das freilich ist seine und DeJuan Collins’ Aufgabe. Beide versäumten es außerdem, entschlossen zum Korb zu ziehen, als klar war, dass die Würfe der Berliner Spieler an diesem Abend nicht in den Korb fallen wollen. Unverändert schwach spielte Marko Pesic. Keiner seiner fünf Würfe traf ins Ziel.

Vorher hatten sich die Berliner auf ihre Defensive konzentriert, doch sie verloren das Spiel in der Offensive. Tiefpunkt war das dritte Viertel, in dem Alba gegen die Zonenverteidigung der Bamberger in zehn Spielminuten armselige drei Punkte erzielte. „So wenig haben wir noch nie in einem Viertel gemacht“, sagt Kotrainer Burkhardt Prigge. Sein Vorgesetzter, Emir Mutapcic, war mit der Verteidigung zufrieden, allerdings fehlten jene Ballgewinne, die schnelle Angriffe ermöglicht hätten.

Am Dienstag soll das anders werden. Bauermann warnt seine Mannschaft. „Alba wird am Dienstag sein wahres Gesicht zeigen“, sagte der Coach, „wir müssen 40 Minuten auf höchstem Niveau spielen.“ Verlieren die Berliner auch das Auswärtsspiel, hätte Bamberg gleich drei Spiele, um die Berliner aus den Play-offs zu werfen. Prigge sagt: „Wir erwarten in Bamberg eine feindselige Atmosphäre.“

Gegen Alba spricht, dass die aktuelle Mannschaft in dieser Saison jedes wichtige Spiel verloren hat. Die beiden bedeutsamsten Begegnungen in der Europaliga, zu Saisonbeginn in Lyon und gegen Wroclaw, gingen ebenso verloren wie später, als man noch eine kleine Chance auf die Zwischenrunde wähnte, das Rückspiel in Wroclaw. Im Pokal schied Alba bereits im Viertelfinale aus.

DeJuan Collins ist nach der Erfahrung vom Freitagabend schlauer. „Ich muss den Centerspieler schlagen, wenn ich vor Nah...,wie immer sein Name ist, stehe.“ Er sollte sich den Namen des holländischen Nationalspielers Mike Nahar besser merken. Dieser spielt nämlich bei jener Mannschaft, die Albas Serie von sieben Meistertiteln in Folge beenden könnte.

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