Jeff Tomlinson bei den Eisbären : Erst die Abfindung, dann der Traumjob

Noch kürzlich ließen die Eisbären verlauten, dass sie mit einer Vielzahl von Kandidaten verhandeln. Nun ging alles ganz fix und Jeff Tomlinson wurde als neuer Trainer bekannt gegeben - nachdem er sich auf eine Abfindung mit seinem Ex-Verein geeinigt hatte.

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Jeff Tomlinson.
Jeff Tomlinson darf während der Pressekonferenzen endlich wieder von den Eisbären sprechen.Foto: dpa

Jeff Tomlinson also. Na, das hätten sie bei den Eisbären auch früher haben können, mit ihrem neuen Trainer. Der ehemalige Berliner Co-Trainer hatte sich sofort nach dem überraschenden Abgang von Don Jackson nach Salzburg für das Amt beworben. Das war vor gut einem Monat. Trotzdem hat Manager Peter John Lee ein ausführliches Casting inszeniert. Neben Tomlinson will Lee noch mit neun anderen Bewerbern gesprochen haben. „Für mich persönlich war es sehr wichtig, dass ich diesen Prozess gemacht habe“, sagt Lee. Er hätte genauso gut sagen können: "Erst einmal habe ich nach Don’s Abgang fünf Wochen Urlaub gemacht und jetzt hat Tomlinson einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben."
Lee hat natürlich keinen Urlaub gemacht. Fakt ist: Wunschkandidat Ralph Krueger wollte nicht zu den Eisbären kommen und Tomlinson konnten die Berliner erst am Donnerstag präsentieren. Vorher konnte der neue Trainer keinen Vertrag in Berlin unterschreiben. Er stand noch auf der Gehaltsliste der Nürnberg Ice Tigers. Bei den Franken war Tomlinson zwar schon im vergangenen Jahr beurlaubt worden, hatte aber noch einen Vertrag bis zum Ende der kommenden Saison. Erst jetzt konnte sich Tomlinson mit seinem ehemaligen Klub auf eine Abfindung einigen und damit war der Weg zurück nach Berlin frei für den einstigen Angreifer.
Tomlinson freut sich auf seinen „Traumjob“. Und nicht nur er. „Meine Kinder freuen sich, dass sie die Eisbären-Sachen wieder tragen können, wir haben einen Haufen davon.“ Und überhaupt, Kopf und Herz seien nie so richtig weg gewesen aus Berlin. „Mein Nürnberger Co-Trainer Tray Tuomie hat mir immer gesagt: Du musst die Eisbären loslassen.“ Wie oft habe er sich verplappert auf Pressekonferenzen als Trainer in Düsseldorf und „Eisbären“ statt „DEG“ gesagt.
Bei den Eisbären war er Spieler (2000 bis 2004), Trainer der Oberliga-Mannschaft (bis 2007) und dann Co-Trainer von Don Jackson. 2010 ging Tomlinson nach Düsseldorf und mit der DEG scheiterte er 2011 im Halbfinale an den Eisbären. In Nürnberg hatte Cheftrainer Tomlinson nur einen Kurzauftritt, mit der zusammengekauften Startruppe der Franken hatte er keinen Erfolg.
Die Verhältnisse bei den Eisbären kennt Tomlinson natürlich bestens. Von dem Druck, der nach den fünf Meistertiteln in sechs Jahren unter Trainer Don Jackson auf seinem neuen Amt lastet, will Tomlinson nichts wissen. „Druck ist überall. Ich setzte mich unter Druck und erwarte viel von mir“, sagt er. Und Manager Lee allgemeinplätzelt: „Der Druck wird von außen aufgebaut, nicht von innen.“
Der 43 Jahre alte Tomlinson weiß aber, dass er mit den Berlinern um den Titel spielen muss. So schwer sei das wohl auch gar nicht, sagt er. Schließlich sei bei den Eisbären einst von Pierre Pagé viel aufgebaut worden, was Don Jackson dann stabilisiert habe. Einreißen will der freundlich-eloquente in Kanada geborene deutsche Staatsbürger, den sie bei den Eisbären bevorzugt „Tomma“ nennen, nichts. „Wir werden weiter offensiv spielen“, sagt er. Auf das Vakuum im Kader angesprochen, sagt Tomlinson, Verpflichtungen seien Sache des Managers. Er verspreche aber, dass er sehen wolle, dass sich jeder Spieler verbessern werde. „Ich will zum Beispiel, dass der Frank Hördler mehr als 95 Schüsse aufs Tor bringt in der nächsten Saison.“


Bevor Hördler und Mitspieler etwas zu hören bekommen, dauert es noch. Am 29. Juli kommt Jeff Tomlinson nach Berlin, am 6. August beginnt das Training bei den Eisbären. Zurzeit ist der neue Trainer noch auf Urlaubsreise in den USA. Bis zu seiner Rückkehr nach Berlin hat Manager Lee Zeit für Gesprächsrunden mit neuen Spielern. Nach einem halben Dutzend Abgängen besteht bei der Kaderzusammensetzung Handlungsbedarf. Aber einen Trainer haben die Eisbären jetzt ja schon mal.

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