Jena gegen Meppen : Wenn Fairplay nicht mehr zählt

Sören Eismanns Treffer für Carl Zeiss Jena im Drittliga-Spiel gegen Meppen war zwar regulär, aber moralisch verwerflich. Ein Kommentar.

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Das Spiel wurde auf MDR übertragen.
Das Spiel wurde auf MDR übertragen.Screenshot: Tsp

Auf ein paar Dinge kann man sich im Fußball verlassen, auch wenn sie gar nicht in den Regularien dieses Sports festgeschrieben sind. Bleibt ein Spieler zum Beispiel verletzt am Boden liegen, dann gehört es sich von der Bundesliga bis in die Kreisklasse, dass der Ball ins Aus gespielt wird. Das zeugt von Respekt. Von Fairness. Von Anstand. Doch diese Tugenden, die den Fußball so liebenswert und, ja, auch menschlich machen, scheinen nicht mehr für alle Fußballer verbindlich zu sein. So zu sehen am Samstag beim Spiel Carl Zeiss Jena gegen den SV Meppen in der Dritten Liga.
Weil ein Jenaer Spieler nach einem Zweikampf nicht mehr aufstand, wollte Meppens Nico Granatowski das Spiel – ganz fair dem ungeschriebenen Gesetz folgend – unterbrechen. Doch Jenas Sören Eismann wollte davon – ganz unfair auf den eigenen Vorteil bedacht – nichts wissen. Er schnappte sich den Ball, rannte zum Tor und traf. Während er zu allem Überfluss auch noch jubelte über den Anschlusstreffer zum 1:2, regten sich die Ersten schon über die Angelegenheit auf. Die Meppener – natürlich. Die restlichen Fußballfans über Twitter und Facebook – verständlicherweise. Ja, es war ein reguläres Tor, weil der Schiedsrichter das Spiel nicht unterbrochen hatte. Moralisch aber war der Treffer nicht in Ordnung.
Wenigstens verstand Eismann einen Tag später, was er angerichtet hat. „Ich möchte mich bei all denen, für die ich mit meinem Verhalten gegen den Fairplay-Gedanken verstoßen habe, entschuldigen“, teilte er am Sonntag per Twitter mit. Es war ein spätes Zeichen an die vielen anderen Fußballer dieses Landes, die jedes Wochenende mit- und gegeneinander spielen: Fairness zählt doch noch etwas. Denn zuvor hatte der Spieler zu seiner Verteidigung gesagt, er hätte den Verletzten nicht gesehen. Blöd nur, dass auf den Fernsehbildern genau zu erkennen ist, wie Eismann auf den am Boden liegenden Spieler hingewiesen worden ist. Blöd auch für den SV Meppen, dass es nicht bei dem 1:2 geblieben ist, sondern Jena später noch zum Ausgleich kam. Den Treffer zum 2:2 erzielte – Sören Eismann..

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