Sport : Jens Lehmann kommt – vielleicht

Dortmunds Klubchef ist „vorsichtig optimistisch“

Felix Meininghaus

Dortmund - Es gibt neue Spieler bei Borussia Dortmund: Mats Hummels, 19 Jahre alt, und Antonio Rukavina, 23 Jahre alt. Sie sollen in der Rückrunde die Borussia aus dem Bundesliga-Mittelmaß führen. Der eine ist Innenverteidiger und kommt von der Zweitvertretung des FC Bayern München, der andere ist Serbe, spielte bislang bei Partizan Belgrad und bearbeitet die rechte Außenbahn. Und für die Torwartposition? Deswegen waren gestern schließlich Scharen von Journalisten zur Pressekonferenz gekommen. Die Frage war: Wird Jens Lehmann zurück zum BVB kommen, mit dem er 2002 die deutsche Meisterschaft gewonnen hatte? Die Antwort fiel klar und unmissverständlich aus: Vielleicht.

Weder für die Pressevertreter, die Fakten melden wollen, noch für die Dortmunder, die nach der Schulterverletzung von Roman Weidenfeller auf der Position des Torhüters Nachbesserungsbedarf haben, war das eine befriedigende Auskunft. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bestätigte, mit Sportdirektor Michael Zorc in London Verhandlungen mit dem Nationalkeeper geführt zu haben. Die seien jedoch bislang ergebnislos verlaufen und deshalb vertagt worden. „Jens wird es sich überlegen, seine Entscheidung steht jedoch noch aus, und ich kann Ihnen nicht sagen, wann sie endgültig erfolgt.“ Die bisherigen Verhandlungen erfüllen Watzke mit „vorsichtigem Optimismus“. Offenbar ist den Dortmundern der Transfer so wichtig, dass sie dem 38-Jährigen auffallend viel Bedenkzeit einräumen: „Unser Fixdatum ist der 29. Januar, wenn wir im Pokal gegen Werder Bremen unser erstes Pflichtspiel haben.“

Über die Zukunft Lehmanns, der bei Arsenal London seit geraumer Zeit nur zweite Wahl ist, darf also weiterhin spekuliert werden. Zorc berichtete von einem Gespräch mit Arsenal-Trainer Arsène Wenger, der seine Bereitschaft zur Freigabe gegeben habe. Und zwar ablösefrei, „weil der Jens ja nicht mehr der Jüngste ist“. Zur kolportierten Laufzeit bis Juni 2009, die Lehmann mit einer Gehaltsvorstellung von vier Millionen Euro verbunden haben soll, sagte Watzke: „So etwas ist nie von Jens gefordert worden.“

Sicher ist, dass es Bundestrainer Joachim Löw mit großem Wohlwollen sähe, würde sich der in London in Ungnade gefallene Torwart ein neues Betätigungsfeld suchen. Löw hatte vor dem Jahreswechsel zwar mehrfach bekräftigt, die Reihenfolge Lehmann, Hildebrand, Enke bleibe bis auf Weiteres bestehen, dieses Statement jedoch mit dem Zusatz versehen: „Einen Freifahrtschein gibt es für niemanden.“ Vor diesem Hintergrund spricht Watzke von einer „klassischen Win-Win-Situation“. Der Torhüter bekäme beim BVB im Hinblick auf die EM die nötige Spielpraxis, die Dortmunder könnten ihre Lücke zwischen den Pfosten füllen.

Allerdings würde es bei einer Verpflichtung auch Verlierer geben: Dortmunds zweiter Torhüter, Marc Ziegler, sähe sich erneut in die Reservistenrolle gedrängt, obwohl er bei fünf Pflichtspieleinsätzen in dieser Saison auf die makellose Bilanz von fünf Siegen verweisen kann. Folgerichtig spricht sein Trainer Thomas Doll von „keiner einfachen Situation“, betont jedoch: „Wenn der deutsche Nationaltorwart, der bei der WM so großartig gehalten hat, auf dem Markt ist, erscheint es legitim nachzufragen.“

Zorc spricht von einer „einmaligen Sondersituation, dass die deutsche Nummer eins für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung steht“. Zudem würde der Transfer für den Sportdirektor eine Stärkung seiner Position bedeuten. Der Vertrag des Ur-Dortmunders Zorc, der seit nunmehr 28 Jahren beim BVB wirkt, ist zu Jahresbeginn zwar bis 30. Juni 2009 verlängert worden, dennoch bleibt Zorc unter argwöhnischer Beobachtung. Nach der Absage von Andreas Hinkel würde ein klangvoller Name wie Jens Lehmann die Kritiker verstummen lassen, die bemängeln, dass renommierte Profis inzwischen einen Bogen um Borussia Dortmund machen. Felix Meininghaus

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