Sport : Jens Voigt: Ratlos vor lauter Angeboten

Helen Ruwald

Nein, "ergreifend war es nicht", sagt Jens Voigt lachend. Dazu ist der Radprofi zu selbstbewusst. Aber gefreut hat sich der Berliner, der für das französische Team Crédit Agricole fährt, natürlich, als "der Gelbe" während der Tour de France zu ihm kam. Lance Armstrong, der spätere Toursieger, der schon da im Gelben Trikot fuhr, schnappte sich Voigt und sagte: "Mensch, Jens, ich hätte dich gern in meinem Team." So etwas hat Voigt in den letzten Wochen öfter gehört. Er gewann zwar keine Etappe, stand bei der Tour aber mehrmals kurz vor dem Sieg. 150 Kilometer fuhr der Ausreißer mit dem Holländer Erik Dekker auf der fünften Etappe davon - und wurde 600 Meter vor dem Ziel noch abgefangen. "Bester Kämpfer" war der 28-Jährige mehrere Tage lang - so einen merkt man sich.

"Jetzt habe ich die Qual der Wahl", erzählte Voigt gestern bei einem PR-Termin in Berlin. Außer Armstrongs Rennstall US Postal Service hat auch "das Team mit dem großen T angefragt und ein weiteres deutsches Team". Voigt ist noch unentschlossen und will zunächst seinen bis zum nächsten Jahr laufenden Vertrag in Frankreich erfüllen. Über zwanzig Rennställe hatte er bei seiner mühsamen Jobsuche vor drei Jahren angeschrieben - die Franzosen verpflichteten ihn. Als er 1999 ein Angebot vom Team Telekom bekam, "wollte ich nicht gleich alles hinschmeißen, schließlich hatten die mir eine Chance gegeben". In Frankreich fühlt er sich wohl, für eine Rückkehr nach Deutschland in einem Jahr würde die Einschulung seines Sohns sprechen.

Bei den Olympischen Spielen rollt Voigt mit seinen möglichen künftigen Kollegen durch Sydney. Als einziger Fahrer, der nicht vom Team Telekom kommt, wurde er nominiert, neben Jan Ullrich, Erik Zabel, Rolf Aldag und Andreas Klöden. "Da fahre ich für mein Land, die Teamzugehörigkeit spielt eine untergeordnete Rolle. Wir werden wahrscheinlich versuchen, Erik Zabel aufs Podium zu verhelfen", kündigt Voigt an.

Er selbst sieht sich ohnehin als "zuverlässigen Motor", als Allrounder, der sich nicht zu schade sei, sich im Team unterzuordenen. Die Rolle des großen Stars sollen ruhig andere übernehmen. Sein ehemaliger Berliner Trainingspartner Jan Ullrich etwa, "der ist wie ein Ferrari, der entweder alles in Grund und Boden fährt oder in der Garage steht".

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