Sport : Jérôme Rothen, Entdeckung Monacos Gestalter an der linken Außenlinie

Wolfram Eilenberger

Als der Mann mit dem blondierten Schopf den Ball bekam, waren es noch 80 Meter und drei Zweikämpfe bis zum gegnerischen Tor. Den ersten Nationalspieler überrannte er einfach, mit dem zweiten lieferte er sich ein schmerzhaftes Grätschgefecht, zwang sich als erster wieder auf die Beine, trieb mit wilder Entschlossenheit den Dritten aus dem Weg und platzierte von der Grundlinie eine Flanke, so klug und präzise, dass sie eingenickt werden musste.

Jérôme Rothen, die Nummer 25 des AS Monaco, hatte sein Ziel erreicht. Nicht zum ersten Mal. Von Monacos fünf Halbfinaltoren gegen Chelsea bereitete der 26-jährige Linksfuß drei direkt vor – er war das Herz seiner Mannschaft. Rothen, ein Spieler aus der zweiten Garde des internationalen Fußballs, ist das Gesicht dieser Champions-League.

Austrainiert, dynamisch und mit fein geschulter Technik bricht der Mittelfeldmann ein ums andere Mal durch, kreuzt mit dem Ball am Fuß das gesamte Feld, spielt glänzende Pässe und beweist so, dass sich ein Spiel auch von der linken Außenlinie gestalten lässt. Gemeinsam mit Ludovic Giuly und Torjäger Fernando Morientes bildet Rothen ein gieriges Trio aus Spielkunst und unbedingtem Einsatzwillen.

Beginnt bei Monaco alles Gute auf Rothens linker Seite, so hat Finalgegner FC Porto mit Maniche und Paulo Ferreira auf rechts zwei Spielernaturen aufzubieten, die Rothen an Erfolgshunger und Schmerzbereitschaft in nichts nachstehen. Es war eine hochklassige und höchst erfrischende Champions-Saison. Rothen, Giuly, Maniche, Ferreira, mag sein, dass wir diese Namen zuvor schon einmal gehört hatten, doch bis vor wenigen Monaten lösten sie keine Phantasiestürme in uns aus.

Heute Abend wird die Leistung dieser Spieler das Finale entscheiden. Männer, die vielleicht schon bald neben Beckham und Zidane von überdimensionalen Plakaten an Tokioter Wolkenkratzern lächeln.

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