• Jet-Pilot und Undercover-Agent - Der Hamburger Basketballer besitzt eine kuriose Vita

Sport : Jet-Pilot und Undercover-Agent - Der Hamburger Basketballer besitzt eine kuriose Vita

Benedikt Voigt

Wer einen Blick auf die Vita von Gerry Wright wirft, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Astronauten-Anwärter liest man da, Jet-Pilot bei der Navy und Lehrer für asiatische Kampfkunst. Den spektakulärsten Job erledigte Wright vor einigen Jahren in Los Angeles. Der Zwei-Meter-Mann fing als Undercover-Agent für die Polizei von Los Angeles Drogendealer. "Ich wollte etwas für die Gesellschaft tun", sagte der US-Amerikaner über seine Arbeit als verdeckter Ermittler, "aber nach fünf Jahren auf der Straße war ich ausgebrannt."

Wenn Gerry Wright heute nach Berlin kommt, jagt er keine Drogendealer mehr, sondern widmet sich einem seiner vielen weiteren Talente: Basketball spielen. Gerry Wright tritt heute mit dem BC Johanneum Hamburg bei Alba Berlin in der Max-Schmeling-Halle an (15 Uhr). Die Berliner hatten dieses Bundesligaspiel vorgezogen, damit die Mannschaft nach der Länderspielpause vor den beiden wichtigen Play-off-Spielen in der Europaliga gegen Efes Istanbul (Heimspiel: Freitag 3. März, 20.15 Uhr, nicht, wie fälschlicherweise gemeldet, 20.30 Uhr) Spielpraxis bekommt. Die achtplatzierten Hamburger haben ein bescheideneres Ziel. "Wir sagen nicht, dass wir gewinnen werden", sagt Gerry Wright, "aber wir wollen wenigstens unser Spiel durchbringen." Alles andere sei eine doppelte Niederlage.

Weil er unbedingt Astronaut werden wollte, schlug Gerry Wright nach seiner Collegezeit in Iowa ein Angebot des NBA-Klubs Detroit Pistons aus. Dafür ist eine Pilotenausbildung notwendig, die allerdings scheiterte, als die Navy auf einen neuen Flugzeugtyp umstellte. Der 100 Kilogramm schwere Zwei-Meter-Mann passte nicht mehr in das neue Modell. Seitdem startete er einen Job nach dem anderen und beendete ihn wieder. Seit vier Jahren spielte er wieder professionell Basketball. "Das ist der Job, den ich jederzeit machen kann."

Wright ist ein unsteter Mensch, der es selten lange an einem Ort aushält. Bereits vor zwei Jahren spielte er eine Saison für den SSV Ulm und ging dann mit Trainer Charles Barton nach Spanien. "Dort hat der Besitzer nur selten das Geld pünktlich bezahlt", erinnert sich der Flügelspieler, der so spektakulär dunken kann, "das war wohl seine Art von Humor." Im Sommer wollte Wright wieder in Ulm anheuern, doch der damalige Trainer Petar Juric sagte, dass er zu alt und zu schlecht für die zweite Bundesliga sei. "Das habe ich noch nie gehört", wunderte er sich, "aber ich habe meine Antwort auf dem Feld gegeben." Der 36-Jährige steht mit sieben Rebounds pro Spiel auf Rang 14 der Reboundstatistik der Bundesliga. Trotz der finanziell angespannten Lage der Hamburger fühlt er sich bei seinem neuen Klub sehr wohl. "Momentan gibt es kein Problem mit dem Geld", sagt Wright, "wenn das Geld mal ausbleiben sollte, sind die Gesetze für Arbeitnehmer in Deutschland viel besser als in Spanien."

Noch zwei Jahre will der Buddhist sein Geld noch mit dem Basketballspiel verdienen, dann will er sich einem neuen Talent widmen, das er erst unlängst an sich entdeckt hat: Bücher schreiben. "Papa has a brand new boy", lautet der Titel des Buches, das er verfasst hat. Es handelt von Beziehungsproblemen. Zuvor schrieb er bereits religiöse Essays. Von seinem kuriosesten Vorhaben erzählt Gerry Wright zuletzt. "Ich will auch in der nächsten Saison in Hamburg spielen." Das wäre etwas Neues in seinem Leben: Kontinuität.

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