Sport : Jetzt aber wirklich

Der FC Bayern will beweisen, dass er für den Uefa-Cup zu gut ist

Klaus Raab[München]

Es sind noch fünf Spiele bis zum Ende der Saison, doch Rang eins bis drei, die das Saisonziel waren, sind längst in weite Ferne gerückt. In München-Giesing, beim TSV 1860 München in der Zweiten Bundesliga, richtet man sich daher allmählich auf die Biergartensaison an.

813 Meter weiter, beim FC Bayern München, geht es eine Liga höher ebenfalls um Rang eins bis drei. „Dass es so läuft wie im letzten Jahr, wo wir vom Start weg zur Meisterschaft durchmarschieren, das ist nicht immer so“, sagte Roy Makaay, am Sonntag Torschütze beim 2:1 gegen Leverkusen. „Aber wir wollen jetzt zeigen, dass wir unter die ersten Drei gehören.“ Und jetzt – jetzt aber wirklich – müssen sie das auch. Denn es ist nur noch eine Niederlage, bis die Biergartensaison auch für den FC Bayern beginnt. Eine Niederlage in Stuttgart am Samstag, und der Verein müsste sich wohl auf die Teilnahme am Uefa-Pokal-Wettbewerb einrichten. Der VfB wäre bei einem Sieg gegen den Rekordmeister vier Spieltage vor Schluss fünf Punkte vorne, Bremen mindestens vier, Schalke mindestens sechs, die Tordifferenz spricht ohnehin gegen die Bayern. Als Dritter dürften sie an der Champions–League-Qualifikation teilnehmen, die ersten beiden sind direkt qualifiziert.

„Es gab schon mehr Rückstand als jetzt“, sagte Ottmar Hitzfeld, der Trainer. Aber um den Rückstand aufzuholen, „gab es auch schon mehr Spiele“. Ein gefährliches Spiel steht also bevor, zumal, so Makaay, „die Stuttgarter für ihre Verhältnisse eine gute Saison spielen“. Ein Satz, mit dem er verdeutlichte, dass deren Verhältnisse nicht seine seien.

Dass Hitzfeld wieder auf Bastian Schweinsteiger verzichten muss, gilt bereits als ausgemacht. „Wir wissen nur, dass im Knie keine Verletzung ist, aber es ist wieder angeschwollen. Es muss eine andere Ursache haben.“ Einen Zeckenbiss vielleicht, wie Schweinsteiger auf seiner Homepage schreibt.

Trotzdem soll es klappen mit Rang drei oder mehr. „Mit einer Niederlage beschäftige ich mich nicht“, sagt Hitzfeld. Sie hätte möglicherweise böse Folgen. Nicht nur, weil die Champions League längst Gewohnheit ist. Vor allem steht der Kader vor einem großen Umbruch. Andreas Görlitz wird seinen Vertrag verlängern, wie Manager Uli Hoeneß ankündigte; doch andere wollen oder werden gehen, Roque Santa Cruz etwa, Owen Hargreaves, Ali Karimi oder Hasan Salihamidzic. Und der FC Bayern will Stars kaufen. Denen aber zu vermitteln, dass sie in der nächsten Saison im Uefa-Pokal spielen sollen, dürfte ein Kunststück werden.

Mark van Bommel wollte dennoch keinen Grund zur Beunruhigung feststellen. In Spielen wie gegen Leverkusen sei es nach der Doppelbelastung der Champions League „normal, dass am Ende die Flasche fast leer ist“. Er klang wie Trainer Giovanni Trapattoni bei seiner berühmten Flasche-leer-Rede an gleicher Stelle. Doch van Bommel fügte später eine kleine eigene Wendung hinzu: „Es ist eine Frage der Sichtweise“, sagte er. „Die Flasche ist vielleicht auch halb voll.“ Halb voll betrachtet, ist der FC Bayern vor dem Spiel in Stuttgart nur noch einen Sieg vom vorläufigen Erreichen des Saisonziels entfernt. „Platz drei ist das Grundziel“, sagte van Bommel. Dann legte er eine längere Kunstpause ein und ergänzte: „Punkt.“

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