Sport : Jetzt auch auf Sand

Maria Scharapowa komplettiert in Paris ihre Grand-Slam-Sammlung.

Petra Philippsen[Paris]
Zu groß für den Rest der Welt. Maria Scharapowa ist nach ihrem souveränen Sieg bei den French Open ab Montag wieder die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. Foto: Reuters
Zu groß für den Rest der Welt. Maria Scharapowa ist nach ihrem souveränen Sieg bei den French Open ab Montag wieder die Nummer...Foto: REUTERS

Das wäre doch einfach zu schön gewesen, und Sara Errani musste lachen, obwohl ihr die Tränen übers Gesicht liefen. Sie reckte die Fäuste, als über die Lautsprecher des Court Philippe Chatrier Maria Scharapowa als Finalistin, also als Verliererin, für die Siegerehrung angekündigt wurde. So wäre Errani beinahe noch durch ein Hintertürchen zu ihrem ersten Grand-Slam-Titel gekommen, doch die quirlige Italienerin war trotz ihres Kämpferherzens weit davon entfernt gewesen.

Es war Scharapowas großer Moment. Als sie am Ziel war, riss sie glücklich die Arme gen Himmel und hüpfte überschwänglich wie ein Kind am letzten Schultag über den Platz. Alle Anspannung war verflogen, Scharapowa hatte den „Coupe Suzanne Lenglen“ gewonnen. Vier Jahre, eine schier endlose Zeit, waren seit ihrem letzten Grand-Slam- Sieg in Melbourne vergangen. „Es hat so lange gedauert, bis ich wieder hier stehen konnte“, sagte sie bei der Siegerehrung, „es ist ein einzigartiger Moment für mich, aber irgendwie surreal.“

Es war Scharapowas erstes Endspiel bei den French Open, dennoch ging sie als haushohe Favoritin gegen die Überraschungsfinalistin in die Partie. Scharapowa nutzte ihre Erfahrung und bezwang die bissige Italienerin mit 6:3 und 6:2. Die 25 Jahre alte Russin reiht sich damit ein in die elitäre Gruppe der nunmehr zehn Spielerinnen, die in ihrer Karriere bei allen vier Grand Slams triumphieren konnten. 2004 hatte Scharapowa als 17-Jährige in Wimbledon ihre erste große Trophäe gewonnen, zwei Jahre später bei den US Open, zuletzt 2008 bei den Australian Open.

Dass sie schließlich auch in Paris gewinnen würde, hatten ihr viele nicht zugetraut. Sie selbst schon gar nicht. „Auf Sand fühle ich mich manchmal wie eine Kuh auf dem Eis“, hatte sie noch vor zwei Jahren über den rutschigen Untergrund gesagt. Sie, die auf den amerikanischen Hartplätzen der Bollettieri-Akademie von klein auf gedrillt wurde, hatte auf Sand nie richtig Halt gefunden. Doch diese Kuh ist nun wirklich vom Eis, sie beherrscht selbst die ungeliebte Asche. Eine Entwicklung, die nicht von ungefähr kommt. Kaum eine andere Spielerin arbeitet so akribisch an sich. Ihr Wille, ihre bedingungslose Hingabe für den Sport ist wohl einzigartig auf der Tour und wird oft vergessen, wenn sie wieder mit schicken Werbespots Schlagzeilen macht. Und so mancher wunderte sich, warum sie sich die Strapazen überhaupt noch antat, wo sie doch seit fast einem Jahrzehnt die bestvermarktete Sportlerin weltweit ist.

Doch als sie 2009 an der rechten Schulter operiert werden musste, da stand Scharapowa die zehrenden neun Monate der Reha-Maßnahmen durch. Sie ertrug die Schmerzen, die Zweifel. „Ich habe mein Leben diesem Sport verschrieben“, sagte Scharapowa, „für mich ist das keine Show. Ich liebe, was ich tue. Als es mir weggenommen wurde, merkte ich, wie dankbar ich sein musste, dass ich wieder spielen durfte.“ Jenseits der Top 100 musste sie nach ihrer Verletzung wieder beginnen, anfangs verlor sie oft gegen Spielerinnen, die sie normalerweise geschlagen hätte. Doch ihr neuer Trainer Thomas Hogstedt bestärkte sie. „Er hat daran geglaubt, dass ich wieder die Nummer eins und Grand-Slam-Champion werde“, sagte Scharapowa. In Paris hatte sich der Wunsch erfüllt, mit Ausdauer, Glauben und tiefer Hingabe für das Tennis. Die knallharte Wettkämpferin, die mehr sein will, als ein hübsches Werbelächeln, hat sich zurückgemeldet. Schon mit dem Einzug ins Finale von Paris hatte sie den Thron der Weltrangliste zurückerobert und es scheint, als hätte das wankende Damentennis endlich seine würdige Regentin zurückgewonnen.

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