Sport : Jetzt auch noch betrogen

Ein Abseitstor bringt Nürnberg beim 3:3 in Hannover um den ersten Saisonsieg.

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Schwere Last. Hannovers Leon Andreasen hat Daniel Ginczek im Rücken. Foto: dpa
Schwere Last. Hannovers Leon Andreasen hat Daniel Ginczek im Rücken. Foto: dpaFoto: dpa

Hannover - Wie einen ganz schlechten Film ließ Mike Frantz das Spiel noch einmal an sich vorbeilaufen. Die Wut in ihm wuchs mit jeder Szene und von Minute zu Minute. „Das sind doch keine Hobby-Schiedsrichter, die hier pfeifen“, sagte der fassungslose Mittelfeldspieler eines 1. FC Nürnberg, der beinahe ein Fußballspiel gewonnen hätte. Beinahe, denn nach einer verdienten 3:0-Halbzeitführung durch Tore von Adam Hlousek, Josip Drmic und Per Nilsson hatte es am Ende nur zu einem 3:3 bei Hannover 96 gereicht. Der Frust darüber, dass es wieder nicht zum ersten Saisonsieg langte, wurde vor allem bei Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer abgeladen. Der Unparteiische hatte eine entscheidende Abseitsposition übersehen und 96 bei seiner späten Aufholjagd mit dem 1:3 des eingewechselten Leonardo Bittencourt und zwei Toren von Mame Diouf bevorteilt.

Kurz nach dem Abpfiff war auf dem Rasen die Unzufriedenheit auf beiden Seiten durchgebrochen. Der Gastgeber war während der Partie mit vielen Pfiffen bedacht worden, weil er sich zwischenzeitlich hatte vorführen lassen. „Nach dem 0:1 für Nürnberg sind bei uns alle Dämme gebrochen. Das war schon finster“, sagte 96-Trainer Mirko Slomka, der damit leben muss, dass die Diskussionen um seine Zukunft weitergehen. Aber er scheint sich damit ebenso abgefunden zu haben wie sein Kollege Gertjan Verbeek, der es mit den traurigen Nürnbergern nicht schafft, die Abstiegsränge zu verlassen. „Der Blick auf die Tabelle ist nicht schön. Aber es freut mich, dass wir hier eine Stunde besser waren“, sagte der Niederländer.

Die Gelassenheit, mit der Verbeek den in letzter Sekunde noch verlorenen Sieg analysierte, war bewundernswert. Sein Team hatte in der Tat ein richtig gutes Spiel gezeigt, lag zur Halbzeit auch in der Höhe verdient in Führung und verpasste danach den allerletzten Schritt. Es hätte auch in der zweiten Halbzeit gut und gerne noch zwei bis drei weitere Tore erzielen können. Aber nach dem 1:3 für Hannover war eine Hoffnung aufgekeimt, die durch so manche umstrittene Freistoß-Entscheidung vor 38 100 Zuschauern noch verstärkt wurde. Diouf stand auf dem Weg zum 2:3 mindestens einen Meter im Abseits. Vor dem Ausgleich des Senegalesen in der Nachspielzeit hatte Kienhöfer zudem einen Freistoß für 96 gegeben, der heftige Debatten nach sich zog. Nürnbergs Innenverteidiger Nilsson war so außer sich vor Wut, dass er von Betreuern zurückgehalten werden musste.

Raphael Schäfer wurde bei seiner Bewertung der Schiedsrichterleistung sehr deutlich. „Wegen dieser Scheißszene vor dem 2:3 gewinnst du hier nicht. Und dazu kommt noch die Arroganz den Spielern gegenüber“, sagte der Nürnberger Torhüter und war vor allem deshalb so erbost, weil er keinerlei Einsicht oder Reue bei den Unparteiischen entdecken konnte. Der große Ärger über die missratene Schlussphase wird den Nürnbergern allerdings auch nicht weiterhelfen. Mit mittlerweile zehn Unentschieden in den bisherigen 16 Bundesligaspielen sind sie zu den Remis-Königen der Liga aufgestiegen und werden als jene Mannschaft belächelt, die einfach nicht gewinnen kann. „Ich kann versprechen, dass wir trotzdem weitermachen. Auch wenn wir hier heute um den Sieg betrogen worden sind“, sagte Frantz, der nach dem Spiel mit jedem seiner vielen Sätze immer noch angriffslustiger wurde. Christian Otto

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