Sport : Jetzt hat die BVVG den Schwarzen Peter

ERNST PODESWA

Union-Klub bezweifelt Gesprächsbereitschaft der Treuhand-NachfolgerinVON ERNST PODESWA BERLIN.Aus dem Galopper-Bonmot "Wo laufen sie denn?" war in den letzten Tagen eher ein ängstliches "Laufen sie denn überhaupt?" geworden.Zumindest bezogen auf die berühmteste deutsche Rennbahn in Hoppegarten.Deshalb hatte sich am Mittwoch eine kleine Abordnung mit Trainern aus Hoppegarten bei der Treuhand-Nachfolgerin BVVG eingefunden.Der Termin war gut gewählt, denn kurz darauf war von der BVVG eine Pressekonferenz über die "Zukunft Hoppegartens" anberaumt worden.Bevor es damit losging, wurde noch eine aktuelle Presseverlautbarung des Union-Klubs (Hauptsitz Köln) verteilt.Tenor: Schuld daran, daß der ehrenwerte Kölner Klub den bis Ende 1998 laufenden Pachtvertrag zur Nutzung der Bahn mit der BVVG kündigt, sei die Entscheidungsunwilligkeit der BVVG über einen 30jährigen Pachtvertrag sowie das Ausbleiben einer Investitionszusage über 20 Millionen Mark.Zitat: "Die neueste Entwicklung stellt in Frage, ob die BVVG überhaupt den ernsthaften Willen besaß oder noch besitzt, zu einer einvernehmlichen Regelung mit dem Union-Klub zu kommen.Sie hätte sonst nicht Verhandlungen mit Dritten während des laufenden Pachtvertrages aufgenommen." Dazu muß man wissen, daß der erste von diesmal nur elf Renntagen in Hoppegarten für den 19.April vorgesehen ist.Und daß ein Rückübertragungsantrag des Uralteigentümers Union-Klub wegen der Enteignungsklausel abgeschmettert wurde.Klar ist aber, daß das Gesamtareal auch nach 1999 nicht verkauft werden darf, sondern von einem Stiftungsrat verwaltet wird.Damit soll der Erhalt der Rennbahn und des Rennbetriebs garantiert werden.Dennoch hat der Union-Klub als einstiger Besitzer der Anlage 1994 einen fünfjährigen Pachtvertrag als Veranstalter der Rennen erhalten, nachdem der neugebildete Hoppegartener Rennverein mit dem Präsidenten Becker sich große Verdienste um die Wiederbelebung des Renngeschehens erworben hatte.Den anfänglich bestehenden Kooperationsvertrag zwischen Union-Klub und Rennverein haben die Kölner nach dem Motto "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan" auslaufen lassen.Doch der "Mohr" hatte sich mit einem eigenen Entwurf zum Betreiben der Rennbahn zu Wort gemeldet, als sich zeigte, daß das Konzept des Union-Klubs in punkto "Einkünfte aus der Vermarktung/Bebauung von 19,2 Hektar überzähliges Gelände" eine geradezu "verheerende Bewertung" durch die Grundstücks-Entwicklungsgesellschaft der LB Berlin erfuhr.So sieht es zumindest Walter Priesnitz, der Sprecher der BVVG-Geschäftsführung.Am 3.Februar hatte man sich dennoch auf die Konditionen eines 30jährigen Pachtvertrages mit der Option eines Erbbaurechtsvertrages geeinigt.Dannach passierte aber das, was Wolfgang Horstmann, der BVVG-Generalbevollmächtigte, salopp so umschrieb: "Wir hatten unser Portemonnaie schon zwei- oder dreimal zusätzlich geöffnet, nun sollten wir es nochmal tun." Der Union-Klub, dem man für 1998 schon die Pacht von 400 000 Mark erlassen hatte, wollte nun statt 35 sogar 100 Prozent des zu erwartenden Verlustausfalls (etwa eine Million Mark) von der BVVG erstattet haben, und dies auch für die nächsten Jahre.Blieb am Ende die Frage, wie es nun weitergehen soll in Hoppegarten.Darauf der BVVG-Sprecher: "Möglicherweise läuft es auf eine GmbH als Betreiber hinaus, ausgeschlossen werden darf auch nicht die Fortführung eines Kooperationsvertrages zwischen Union-Klub und Rennverein."Jetzt weiß man also, wohin der Hase - pardon: der Galopper - in Hoppegarten läuft.Oder auch nicht.Auf alle Fälle aber sollen am 19.April die Klappen der Startboxen zur Saisoneröffnung hochgehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar