Sport : Jetzt ihr!

Alba grübelt über die Niederlage zum Play-off-Start

Helen Ruwald

Berlin - Die Rechnung war simpel. „Wenn Alba alle Heimspiele in den Play-offs gewinnt, heißt der Deutsche Meister Alba Berlin“, hatte Geschäftsführer Marco Baldi gesagt. Schließlich bedeutet Platz eins nach der Hauptrunde der Basketball-Bundesliga Heimrecht in den entscheidenden Spielen. Doch Baldis Aussage ist veraltet, kaum dass die Play-offs begonnen haben. Nach dem 86:87 im ersten Viertelfinalspiel gegen die Artland Dragons Quakenbrück muss der Möchtegern-Meister mindestens einmal auswärts gewinnen, damit die Saison nicht in Kürze beendet ist. Am Donnerstag bietet sich in Quakenbrück die erste Gelegenheit, in der Serie auszugleichen. Drei Siege sind für den Halbfinaleinzug nötig.

„Klar ist der Druck groß“, sagt der deutsche Nationalspieler Demond Greene, „aber wir müssen mit der Einstellung antreten, dass es ein normales Auswärtsspiel mit etwas Pfeffer wird und dass wir den Heimvorteil zurückholen.“

Nach dem verpatzten Auftakt verbreiteten die Verlierer zwar positive Gedanken (Greene: „Wir sind das beste Team der Liga, aber wir müssen den anderen mit Respekt begegnen“), aber ganz vermochten sie ihre Ernüchterung nicht zu verbergen. Der starke Spielmacher William Avery (19 Punkte, 8 Korbvorlagen) bekannte gestern, dass er „eine harte Nacht“ hinter sich habe, „ein bisschen konnte ich schlafen“. Er dürfte nicht der Einzige sein, der gegrübelt hat, wie diese Niederlage zustande kommen konnte. Ein Auftaktsieg war schließlich fest eingeplant gewesen.

Ganz in gelb war die Max-Schmeling-Halle getaucht gewesen, die Spieler trugen gelbe Trikots, viele Fans gelbe T-Shirts (dafür wurden sie mit einem Freigetränk belohnt). Auf den Oberteilen der Cheerleader prangte Albas Play-off- Slogan „Jetzt wir!“ ebenso wie auf – natürlich gelben – Schildern, die alle Fans auf ihren Plätzen vorfanden. Mit dem Slogan will der Klub seinem Selbstverständnis Ausdruck verleihen, dass erstmals seit 2003 der Deutsche Meister wieder Alba Berlin heißen wird.

Doch das Spiel lief eher nach dem Motto „Jetzt ihr!“ ab. Der Tabellenachte Quakenbrück schlug die Berliner mit deren eigenen Mitteln, die Gäste waren in der Verteidigung aggressiver und holten mehr Rebounds (31:23). Eine klare Ursache zu benennen, fiel Alba schwer. „Dass wir unsere Stärken nicht ausgespielt haben, ist merkwürdig. Die Atmosphäre war toll. Eigentlich beflügelt einen Spieler das, aber vielleicht hat es diesmal zur Verkrampfung geführt“, sagte Marco Baldi, der angespannt wirkte.

Eine gesunde Anspannung hatte der Mannschaft hingegen in den vergangenen Wochen gefehlt. Früh stand Alba als Tabellenerster fest, die letzten Bundesligaspiele waren belanglos, für die Pokalendrunde war Berlin nicht qualifiziert. Während Quakenbrück erst im Pokalfinale knapp an Köln scheiterte und bis vor zwei Wochen um die Play-off-Teilnahme kämpfte, regenerierte Alba in Tunesien und übte taktische Spielvarianten. Vier Wochen lang musste Alba nicht siegen – und scheiterte daran, Körper und Geist am Sonntag zwischen 17 Uhr und 18.50 Uhr wieder durchgängig auf Play-offMode umzustellen. Selbst eine 9-Punkte-Führung nach 10-Punkte-Rückstand reichte nicht. „Vielleicht waren wir in dieser Phase zu relaxed“, sagt Avery.

Teammanager Henning Harnisch machte zumindest einen positiven Aspekt aus, nämlich, „dass es nur 0:1 steht“. Folgt das 0:2, würde Baldis Philosophie ins Wanken geraten. Die Play-offs seien die beste Zeit im Jahr, „danach lechzt ein Profi“, hatte er gesagt – vor der Niederlage und bevor klar war, dass die „Jetzt wir!“-Kampagne schnell nicht Ausdruck eines gesunden, sondern auch eines übersteigerten Selbstbewusstseins sein könnte.

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