Sport : Jetzt ist der Finne wieder WM-Spitzenreiter

Der Sieger Coulthard vermied beim belgischen Grand Prix in Spa-Francorchamps nur um Haaresbreite eine Kollision

Mit einem Blitzstart und dem dritten Doppelsieg der Saison haben die Silberpfeile die roten Ferrari-Renner zu Statisten degradiert und Mika Häkkinen wieder zum WM-Spitzenreiter angetrieben. Dem finnischen Formel-1-Weltmeister reichte am Sonntag beim belgischen Grand Prix in Spa-Francorchamps ein zweiter Platz hinter seinem überragenden Teamkollegen David Coulthard, um Ferrari-Pilot Eddie Irvine die Führung wieder abzujagen. Im vierten und wohl letzten Rennen ohne den verletzten Michael Schumacher fuhr McLaren-Mercedes die Konkurrenz in Grund und Boden. Heinz-Harald Frentzen war in seinem Jordan-Mugen-Honda als Dritter noch der Beste der zweiten Liga vor Irvine und Ralf Schumacher auf Williams-Supertec.

"Wir machen Sport und keine Schiebereien." So begründete Mercedes-Rennleiter Norbert Haug das freie Spiel der Kräfte in einem Rennen, das seine einzigen Spannungsmomente aus dem Start bezog. "Unser Sportsgeist hat gesiegt, David hat sich den Erfolg auf der Fahrerstrecke mit Grandezza verdient." Er habe "alles versucht, um an David näher heranzukommen. Doch das ging nicht", sagte Häkkinen. "Ein paar Probleme beim Kuppeln" beim Start habe dazu geführt, dass er seine zehnte Pole-Position der Saison eingebüßt habe. Frentzen sagte: "Ich habe mein eigenes Rennen gefahren. McLaren-Mercedes war zu schnell für mich." Der 32 Jahre alte Mönchengladbacher "bedauerte vor allem die Zuschauer, dass sie kein spektakuläreres Rennen gesehen haben".

Der 33 Jahre alte Irvine scheint sein Pulver mit den Siegen in Österreich und auf dem Hockenheimring, wo er von den Silberpfeil- Fehlern profitierte, verschossen zu haben. Mit 59 Punkten liegt er nun einen Zähler hinter Häkkinen und nur noch 13 vor Coulthard, mit dem McLaren-Mercedes vier Rennen vor Schluss nun sogar noch zwei Eisen im Feuer hat. Der verlässliche Frentzen hat nun 40 Punkte gesammelt, acht Punkte mehr als Michael Schumacher. Der hat das Rennen über 44 Runden aus seinem norwegischen Urlaub verfolgt und sehnt nun sein Comeback in zwei Wochen in Monza herbei (siehe nebenstehenden Text).

"Wir sind nicht schnell genug. Die McLaren fahren in einer eigenen Klasse." Irvines Einschätzung unmittelbar vor dem Rennen fand seine volle Bestätigung über die 306,592 Rennkilometer auf dem anspruchsvollen Ardennenkurs. Sein Ferrari wirkte im Vergleich zu den Silberpfeilen wie eine klappriger Gebrauchtwagen. Irvine büßte pro Runde bis zu zwei Sekunden ein. Mit dem Ausgang des Rennens hatte der Nordire ebenso nichts zu tun wie der finnische Schumacher-Ersatz Mika Salo als Siebter.

Allerdings kann er beim nächsten Grand Prix mit der Hilfe von Michael Schumacher rechnen. "Schade, mit Michael hätte ich schon in Spa eine fantastische Allianz gebildet", so der Nordire. Coulthard sagte: "Ein Start von Michael in Monza beeinflusst die Situation überhaupt nicht."

Irvine musste sich so wie Frentzen und auch Ralf Schumacher mit einer Lauerstellung zufrieden geben, in der Hoffnung, dass der Hochgeschwindigkeits-Express von McLaren-Mercedes durch Fehler von Fahrer und Material abgebremst werden würde. Doch das gegenwärtig mit Abstand beste Team der Formel 1, das nun mit 106 Punkten auch die Führung in der Konstruktionswertung vor Ferrari (97) übernommen hat, tat der Konkurrenz keinen Gefallen.

Mit einem Superstart, der die Rennleitung zu einer Untersuchung über einen möglichen Fehlstart von Coulthard veranlasste, eroberte der Schotte die Spitze und vermied nur um Haaresbreite eine Kollision mit Kollege Häkkinen. "Wir haben uns berührt. Doch Gott sei Dank ging nichts kaputt. Am Ende war alles ganz einfach", sagte Coulthard. Er vergrößerte seinen Vorsprung auf den Finnen kontinuierlich und hielt den Zehn-Sekunden-Abstand bis ins Ziel, weil auch die Stallregie von McLaren-Mercedes nicht eingriff. Sie forderte Häkkinen mit dem Schild "Push" zwar zu höherer Geschwindigkeit auf. Doch Coulthard bei seinem 85. Grand Prix auf dem Weg zum sechsten Sieg zu stoppen, das wollte sie nicht.
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