Sport : Jetzt ist der Staat dran

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Wenn Fußballspiele manipuliert werden, dann meist nach einem globalen Einheitsmuster. Spieler oder Schiedsrichter begehen absichtlich Fehler in Partien, auf die bei asiatischen Wettanbietern hohe Summen gesetzt worden sind. So lief es im italienischen Wettskandal ab und so lief es im deutschen, bei dem Hintermänner vom Landgericht Bochum mit bis zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis bestraft worden waren. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Der italienische Skandal wird im Stadion ankommen, bei den Fans. Weil Spieler gesperrt fehlen. Weil Klubs mit Punktabzug in die neue Saison starten oder wie zwei Drittligisten gleich zwangsabgestiegen sind.

So bekommt Italien eine Chance, aus seinem Skandal mehr zu machen als nur die Täter abzuurteilen. Nämlich am Problem zu arbeiten, dass es spielsüchtige oder verschuldete Profis sind, die den Betrug überhaupt erst möglich machen. Das ist die eine Flanke. Für sie ist der Sport zuständig. Doch auch dieser Fall in Italien hat wieder gezeigt, wie beschränkt die Möglichkeiten des Sports sind. Gegen bandenmäßigen Betrug kann eben nur der Staat etwas ausrichten, mit abgehörten Telefonaten und Razzien. Das ist die andere Flanke.

Der italienische Fußball-Verband hat harte Strafen gegen Spieler und Vereine ausgesprochen. Richtig abschreckend können jedoch nur Gefängnisstrafen sein. Also ist der Wettskandal nach den ersten Urteilen der Sportgerichtsbarkeit erst auf halber Strecke angekommen. Staatliche Gerichte müssen nun übernehmen. Sie werden hoffentlich in öffentlichen Verhandlungen ans Licht bringen, wie tief das Problem des Wettbetrugs ist.

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