Sport : Jetzt ist die Fifa gefragt

Cottbus streitet mit Sofia über Angelow-Transfer

Christian Tretbar

Berlin - Eigentlich könnte sich Stanislaw Angelow die Schinderei noch sparen. Er macht das harte Vorbereitungsprogramm von Energie-Trainer Petrik Sander genauso mit wie alle anderen Cottbuser Spieler, nur, dass er noch gar keine Spielberechtigung hat. Auch beim knappen Testspielsieg gegen den Berliner Regionalligisten 1. FC Union (1:0) durfte er nur zusehen. Grund dafür ist der Transferstreit zwischen seinem ehemaligen Klub Lewski Sofia und seinem neuen Klub Energie Cottbus. Durch eine Ausstiegsklausel mit einer festgeschriebenen Ablösesumme in Höhe von 180 000 Euro konnte der bulgarische Nationalspieler bei Energie einen Vertrag bis 2010 unterschreiben. Lewski bestreitet jedoch die Existenz einer solchen Klausel und verweigert dem 29-Jährigen die Freigabe. Die Bulgaren wollen über eine höhere Ablöse verhandeln.

„Uns liegt der Vertrag vor, und darin ist die Klausel eindeutig festgeschrieben“, sagt Energie-Sprecher Ronny Gersch. Der Streit gipfelte in einem Nazi-Vergleich, den Lewski-Präsident Todor Batkow zog. „Offenbar haben sie ihre Lektion aus der Geschichte nicht gelernt: Wir leben im Jahr 2007 und nicht 1942“, sagte Batkow. Nachdem Verhandlungsbemühungen des Deutschen Fußball-Bundes gescheitert sind, beschäftigt sich jetzt der Weltfußballverband (Fifa) mit dem Fall.

Cottbus hat die Fifa am Montag informiert und eine Gastspiel-Genehmigung für Angelow beantragt, damit er bei den kommenden Testspielen eingesetzt werden kann. Allerdings, sagt Fifa-Sprecher Andreas Herren, hat sich Sofia bereits am 18. Juni an die Fifa gewandt. Mit welcher Forderung, wollte Herren nicht sagen. Auch ist offen, welche Entscheidung die Fifa treffen wird und ob Cottbus die Gastspiel-Genehmigung erhalten wird. „Unsere Juristen prüfen jetzt erst einmal alle Unterlagen“, sagt Herren. Wann eine Entscheidung fallen wird, ist laut Herren ebenfalls nicht absehbar.

Angelow selbst fürchtet in Bulgarien um seinen Ruf. Dort werde er seit Bekanntwerden des Wechsels immer wieder als „Lügner“ und „Abzocker“ bezeichnet, sagt Energie-Sprecher Gersch. Deshalb habe er vor einigen Tagen auf einer Pressekonferenz versucht, seine Vertragssituation deutlich zu machen. Denn die Ausstiegsklausel erwähne Lewski mit keinem Wort. Empörung herrsche vor allem über die niedrige Ablösesumme.

Wirklich überraschend ist das Auftreten Batkows aber nicht. Der Lewski-Chef fiel schon einmal negativ auf. Beim 1:3 im Hinspiel des Uefa-Pokal-Viertelfinals gegen Schalke 04 im März 2006 stellte der englische Schiedsrichter Mike Riley in der ersten Halbzeit den Lewski-Spieler Cedric Bardon wegen wiederholten Foulspiels vom Platz. Für die Niederlage hatte Batkow deshalb eine deutliche Erklärung: „Dieser britische Homosexuelle hat das Spiel zerstört.“ Für diese Entgleisung musste er 5000 Schweizer Franken Strafe zahlen. Lewski half das nicht. Der Verein schied nach dem 1:1 im Rückspiel aus.

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