Sport : Jetzt ist er mal dran

Didier Deschamps soll Frankreichs Fußball retten.

Matthias Sander
Noch lacht er. In der WM-Qualifikation muss Deschamps mit Frankreich gegen Spanien spielen, einfach wird das nicht. Foto: dpa
Noch lacht er. In der WM-Qualifikation muss Deschamps mit Frankreich gegen Spanien spielen, einfach wird das nicht. Foto: dpaFoto: dapd

Berlin - Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Didier Deschamps kommen würde. Er hat von diesem Job lange geträumt, und er galt oft als aussichtsreicher Kandidat für den Posten des französischen Nationaltrainers. 2008, nach dem frühen EM-Aus, stand der damals arbeitslose Deschamps schon bereit. Doch dann wurde Raymond Domenechs Vertrag verlängert. 2010, nach dem katastrophalen WM-Auftritt der Franzosen, stand Deschamps wieder bereit, um die Nationalmannschaft aufzurichten. Doch gegen seinen einstigen Nationalmannschaftskollegen Laurent Blanc hatte er keine Chance. Jetzt allerdings verzichtete Blanc nach dem EM-Aus im Viertelfinale auf eine Vertragsverlängerung, gestern wurde Deschamps als sein Nachfolger vorgestellt.

„Tief in mir hatte ich immer Lust darauf“, sagte der 43 Jahre alte Baske. „Und jetzt ist die Gelegenheit gekommen, als ich im Grunde schon nicht mehr daran geglaubt habe.“ Der frühere Kapitän der französischen Nationalmannschaft erhielt einen Vertrag bis 2014, der sich bei einer Qualifikation für die WM in Brasilien automatisch bis zur EM 2016 in Frankreich verlängert. Allerdings treffen die Franzosen in der WM-Qualifikation auf Welt- und Europameister Spanien – und nur der Gruppensieger ist direkt qualifiziert.

Deschamps kommt ausgerechnet in dem Moment zu seinem Traumjob, in dem er erwog, ein Sabbatjahr zu machen. Zu anstrengend waren die letzten Monate mit seinem Verein Olympique Marseille. Eine Niederlagenserie ließ den Klub bis auf den zehnten Tabellenplatz abstürzen. Nach drei Jahren und sechs Titeln – darunter die lang ersehnte Meisterschaft – im zuweilen hysterischen Marseille hatte Deschamps genug: Er drängte darauf, seinen bis 2014 laufenden Vertrag aufzulösen. Der Klub aber wollte ihn behalten, und so verhandelten beide Parteien lang. Bis Montag vor einer Woche, als sie schließlich ihre Zusammenarbeit beendeten.

Schon tags darauf wollte Verbandspräsident Noël Le Graët Didier Deschamps als neuen Nationaltrainer vorstellen, so sicher war sich Le Graët seiner Sache. Doch Deschamps erbat sich Bedenkzeit. Spätestens da dürfte Le Graët bewusst geworden sein, dass er Zugeständnisse machen musste. Die Vertragsverlängerung mit Laurent Blanc war nämlich auch daran gescheitert, dass Le Graët nicht mehr den in seinen Augen überdimensionierten Stab von 18 Betreuern wollte. Zudem wollte er nichts mehr mit Blancs Berater Jean-Pierre Bernès zu tun haben. Doch daraus wurde nichts: Bernès berät auch Deschamps. Doch Deschamps versprach immerhin, mit weniger Betreuern als Blanc auszukommen.

Deschamps Ausgangslage erinnert nun an die von Blanc vor zwei Jahren. Er fängt zwar nicht bei null an wie Blanc, aber auch er soll die Nationalmannschaft wieder aufrichten. Wie 2010 befasst sich wieder die Disziplinarkommission des Verbands mit mehreren Spielern. Am 27. Juli werden Samir Nasri, Yann M’Vila, Jérémy Ménez und Hatem Ben Arfa angehört. Ihnen werden Disziplinlosigkeiten vorgeworfen, Nasri etwa das wiederholte Beschimpfen von Journalisten. Deschamps wird seinen Spielern den selben Stolz vermitteln müssen, der ihn bei seinem ersten Länderspiel selbst gepackt hatte. „Es war die schönste Erfahrung, die ich in meiner Karriere als Profifußballer erleben durfte“, sagte er gestern. „Und jetzt begegne ich diesem Trikot als Auswahltrainer wieder.“

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