Sport : „Jetzt ist jedes Spiel wie Krieg“

Herthas Spielmacher Marcelinho spricht über den Abstiegskampf, Karneval und die Arbeit des neuen Trainers Hans Meyer

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Sie sind dafür bekannt, dass Sie ehrgeizige Ziele haben. Jetzt spielen Sie mit Hertha gegen den Abstieg. Wie kommen Sie damit zurecht?

Das ist nicht einfach. Ich habe eine solche Situation noch nie erlebt. Aber im Urlaub in Brasilien habe ich mit meiner Familie einen Plan für die Rückrunde aufgestellt.

Einen Plan?

Ja. Es geht darum, dass ich wieder richtig fit werde. Ich habe beschlossen, dass ich jetzt öfter zu Hause bleibe, weil ich Ruhe brauche.

Aber bald ist Karneval. Im vergangenen Jahr haben Sie den ausschweifend gefeiert.

Ich gebe zu, dass ich sehr gerne ausgehe. Vor allem zu Karneval. Der Karneval steckt einfach in unserem brasilianischen Blut. Aber ich muss jetzt an die Mannschaft denken. Feiern kann ich wieder, wenn alles etwas ruhiger ist. Nach der Saison fliege ich nach Brasilien, dann habe ich Urlaub. Und der Juni ist der Monat, in dem es bei uns die meisten Feste gibt.

Sie haben zuletzt auch während der Saison gefeiert und vor dem wichtigen Spiel in Köln sogar das Training geschwänzt. Die Kollegen haben Ihnen das übel genommen.

Ich weiß, dass es ein Fehler war. Aber Wut oder Ärger habe ich nicht gespürt. Die Mannschaft weiß, dass ich immer versucht habe, mein Bestes zu geben. Nur hat das leider zuletzt nicht immer geklappt, weil ich gerade frisch von einer Verletzung genesen bin.

In der Hinrunde war zu sehen, dass die Mannschaft stark von Ihnen abhängig ist.

Es stimmt schon. Wenn ich gut spiele, gibt es eine Steigerung im Spiel. Aber man sollte endlich begreifen, dass auch ich von der Mannschaft abhängig bin. Vielleicht kann ich in manchen Momenten entscheidend sein. Aber dazu braucht die Mannschaft einen Marcelinho, der topfit ist.

Zuletzt schien es, als sei Ihnen die spielerische Leichtigkeit abhanden gekommen. Liegt das nur daran, dass Ihnen die Fitness fehlt?

Nein, ich war körperlich fit, aber mir hat die Spielpraxis gefehlt. Ich habe auch ein bisschen Angst gehabt, dass ich mich wieder verletzen könnte. Das stand mir im Wege. Ich hatte kein Vertrauen in mich. Deshalb habe ich Dribblings vermieden – das, was die Leute von mir sehen wollen.

Was gibt Ihnen die Zuversicht, dass Sie rechtzeitig zu Ihrer alten Form zurückfinden?

Ich fühle mich besser als noch vor einiger Zeit. Das Training ist sehr gut, ich merke, dass ich auf dem Platz wieder glücklicher bin. Deshalb glaube ich, dass wir einen guten Start in die Rückrunde erleben werden.

Sie spielen beim Ersten, bei Werder Bremen.

Ja und? Ich spüre, dass die Last in unseren Köpfen geringer ist. Der neue Trainer motiviert uns gut. Er ist sehr positiv in seiner Art. Wir können auch in Bremen gewinnen. Wir müssen nur den Mut haben und das Vertrauen. Ab jetzt ist jedes Spiel wie Krieg.

Und wenn Hertha doch absteigt.

Ich denke nicht an die Zweite Liga. Unser Kader ist gut genug.

Trotzdem gibt es Gerüchte, dass Ihr Freund Ailton Sie zu Schalke locken möchte.

Mein Vertrag mit Hertha läuft bis 2007. Und ich möchte gerne in Berlin bleiben. Wenn ich weggehe, dann muss es etwas Wunderbares, etwas Großes sein – für mich und für Hertha.

Hat sich denn ein großer Verein gemeldet, der eine entsprechende Ablöse zahlen würde?

Damit beschäftige ich mich nicht. In solchen Fällen würde ich sagen: Zum Manager, bitte!

Das Gespräch führte Stefan Hermanns.

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