Sport : Jetzt keine Schwächen zeigen

McLaren-Pilot Kimi Räikkönen kann die Formel-1-WM wieder spannend machen, aber dazu muss er erst einmal ins Ziel kommen

Karin Sturm[Istanbul]

Kimi Räikkönen blieb abgeklärt wie so oft. Der Formel-1-Pilot hatte im McLaren-Mercedes gerade das Qualifying gewonnen und startet damit heute beim Großen Preis der Türkei (14 Uhr, live in RTL und Premiere) von der Poleposition. Doch nach seinem Erfolg sagte der Finne nur: „Den ersten Schritt von dem, was ich tun muss, habe ich geschafft.“ Er muss gewinnen, ganz einfach. Denn in Istanbul geht es um sehr viel: Hier kann sich der Spanier Fernando Alonso im Renault den Titel fast sichern. Hier kann aber auch der Kampf um den Titel noch einmal sehr spannend werden. Alles konzentriert sich auf das Duell Alonso – Räikkönen. „Ich kann nur eines tun – gewinnen. Alles andere liegt nicht in meiner Hand“, sagt Räikkönen.

Alonso führt die WM-Wertung mit 26 Punkten Vorsprung auf Räikkönen an. Heute startet der Spanier aus der zweiten Reihe, er hat im Qualifying den dritten Platz belegt. Sein Konkurrent Räikkönen will unbedingt den Titel, doch wenn er zum vierten Mal in dieser Saison ausfallen sollte, kann er seine Titelhoffnungen wohl endgültig begraben. Sollte der Finne aber gewinnen und Alonso nur auf einem hinteren Punkterang ins Ziel kommen, würde der Spanier unter Druck geraten. Sollte Alonso bei einem Sieg von Räikkönen sogar ausfallen, dann würde es richtig spannend. Denn für einen Sieg gibt es zehn Punkte, und nach Istanbul stehen noch fünf Rennen auf dem Programm.

Aber McLaren-Mercedes hat eine große Schwachstelle: Die Rennwagen des Teams sind überaus anfällig für technische Probleme. Die Ausfallquote ist hoch. Deshalb konzentriert sich das Team noch mehr als bisher auf die Qualitätskontrolle. Auch kleinste Unsicherheitsfaktoren müssen vermieden werden, jeder Mechaniker wird nochmals auf optimale Arbeit eingeschworen. „Wir müssen bei der technischen Zuverlässigkeit genauso gut werden wie beim Speed“, hat Mercedes-Sportchef Norbert Haug oft genug gesagt. „Solange uns das nicht gelingt, sind wir nicht wirklich gut genug.“ In der Türkei dagegen bemühen sich Haug und Teamchef Ron Dennis öffentlich allerdings um demonstrative Gelassenheit. Die beiden betonen, man konzentriere sich stets auf das nächste Rennen, wolle gewinnen und alles andere müsse sich dann ergeben.

Bei Renault dagegen fällt auf, wie oft Verantwortliche betonen, dass sie sich keine Sorgen machen, der WM-Titel könne noch verloren gehen. „Ich glaube, dass es kein großes Problem sein wird, den Titel zu gewinnen. Wir haben einen großen Vorsprung“, sagt Teamchef Flavio Briatore. Allerdings schiebt er dann doch hinterher: „Aber damit der Triumph gelingt, dürfen wir uns keine Fehler erlauben.“ Wenigstens Podiumsplatzierungen sollte er in den restlichen Rennen schon erreichen, sagt Alonso. Er müsse ja nicht immer unbedingt gewinnen. Der 24-Jährige will den Titel, wie groß am Ende der Abstand zu Räikkönen ist, dürfte ihm egal sein.

Pedro de la Rosa, der McLaren-Mercedes-Testfahrer aus Spanien, denkt allerdings, dass sein spanischer Landsmann Alonso durchaus noch Probleme bekommen könnte. „Die Wahrheit ist, dass uns die restlichen Strecken sehr gut liegen werden. Wir sollten Renault überall außer in Monza überlegen sein, denn dort kommt es auf Topspeed, Bremsen und Traktion an, und dieses Profil liegt Renault besser als uns“, sagt de la Rosa. „Gemessen an der Leistung, sind wir gleichauf mit Renault, aber wir haben die bessere Aerodynamik, und unser Auto ist einfacher abzustimmen als der R25.“

Aber er muss auch ins Ziel kommen, der McLaren-Mercedes.

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