Sport : „Jetzt kommen Gegner, die man schlagen kann“

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Sie sind 1986 bis ins WM-Finale gekommen; viele fühlen sich beim Auftritt der aktuellen Nationalelf bereits an dieses Turnier erinnert.

In der Tat gibt es einige Gemeinsamkeiten. Auch uns wurde damals nicht besonders viel zugetraut. Spielerisch konnten wir mit Brasilien oder Argentinien nicht mithalten, aber wir hatten einen unheimlichen Willen. Und wir waren topfit. Diesen Eindruck habe ich auch von der heutigen Mannschaft.

Die steht jetzt im Viertelfinale . . .

…und hat damit die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt: Sie hat das erreicht, was an Potenz in ihr steckt.

Das heißt: Im Viertelfinale ist jetzt Schluss?

Gegen die USA hat die Mannschaft eine große Chance, ins Halbfinale einzuziehen. Und vielleicht ist ja sogar noch mehr drin. Jetzt kommen Gegner, die man schlagen kann. 1986 waren wir in einer viel ungünstigeren Situation: Im Viertelfinale mussten wir gegen Mexiko antreten, den Gastgeber. Und im Halbfinale kamen dann die Franzosen, die damals spielerisch sehr viel stärker waren als wir.

Sie halten also sogar den Finaleinzug für möglich?

In der zweiten Halbzeit gegen Kamerun habe ich gesehen: Diese Mannschaft hat einen Traum. Und sie hat große Voraussetzungen, diesen Traum wahr werden zu lassen.

Woran haben Sie das gemerkt?

Da hat es einen Klick gegeben, einen Kick. Vielleicht hängt das auch mit der EM vor zwei Jahren zusammen. Da ist viel Porzellan zerschlagen worden. Nicht nur die Deutschen haben ein bisschen den Glauben an ihr Team verloren, auch international haben wir viel Reputation eingebüßt.

Warum können die Deutschen nur zwei Jahre später wieder eine so gute Rolle spielen?

Der wichtigste Aspekt ist die Person Rudi Völler. Er macht seinen Job sehr ausgeschlafen, gibt den Weg vor und zeigt den Spielern, dass er vorwärts kommen will. Und er hat seine Sache auch konzeptionell sehr gut gemacht, als er nach der EM an den vorhandenen Spielern festgehalten und nach und nach jüngere Leute eingebaut hat. Fast die Hälfte des WM-Kaders besteht aus Spielern, die vor zwei Jahren noch nicht dabei waren. Das war sehr geschickt von Völler.

Ist es auch richtig von Völler, dass er Michael Ballack nach der anstrengenden Saison in jedem Spiel einsetzt?

Michael Ballack muss spielen. Natürlich merkt man ihm die Strapazen der Saison an. Ich weiß gar nicht, ob er überhaupt mal ein Spiel verpasst hat. Trotzdem ist er für die Nationalmannschaft sehr wichtig. Er läuft immer noch wahnsinnig viel, spielt sehr gut mit den Stürmern zusammen, vor allem mit Klose. Und torgefährlich ist er auch. Ich würde Ballack auch immer spielen lassen.

Aufgezeichnet von Stefan Hermanns.

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