Sport : Jetzt kommt’s auf den Rhythmus an

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Von Christoph Daum

Die Zeit des Rechnens ist vorbei, jetzt wird jedes Spiel zum Endspiel. Die Spannung steigt - die Anspannung auch. In der Vorrunde kann ein Ausrutscher ausgeglichen werden, jetzt wird jeder Fehler bestraft. Trainer und Spieler müssen sich umstellen, und auch auf die Mediziner kommt einiges zu. Kein Spieler geht jetzt noch schmerzfrei aufs Feld, Michael Ballack ist nicht der einzige, der Medikamente bekommt. Ganz wichtig ist jetzt die Erholung. In der Zeit der englischen Wochen habe ich zu meinen Spielern immer gesagt: Die nächste Partie wird im Bett entschieden! Alle haben süffisant gegrinst, aber doch verstanden, wie wichtig Ruhe und Schlaf in einer solchen Phase sind.

Zur Taktik: Drauflosstürmen werden allenfalls Mannschaften, für die das Erreichen des Achtelfinales bereits ein Erfolg ist. Sie haben nichts zu verlieren. Ansonsten fordern die Trainer jetzt eine ökonomische Spielweise und kontrollierte Offensive. Nur wer mit seinen Kräften haushält, hat im Endspiel noch eine Chance. Jetzt kommt es darauf an, den Spielrhythmus zu bestimmen: den Gegner phasenweise früh stören, pressen, jagen, Fehler provozieren, dann wieder das Tempo aus dem Spiel nehmen, Ball und Gegner laufen lassen. Nur wer diesen Rhythmuswechsel beherrscht, kann die Finalrunde überstehen.

Jene Teams, denen ein starkes Mittelfeld fehlt, werden es mit einer Kontertaktik versuchen, bei der die Bälle lang in den gegnerischen Strafraum gespielt werden. Hohe Bedeutung kommt Standardsituationen zu: Mit Eck- und Freistößen können die Spezialisten ein Spiel entscheiden. Besonders wichtig ist die Abwehrleistung des gesamten Teams. Wer in Rückstand gerät, ist gezwungen, sich voll zu verausgaben - ein Nachteil für die nächste Runde. Hier zeigt sich dann, ob das Team mitsamt den Ersatzspielern ausgeglichen genug ist für ein solches Turnier. Aber auch in den Endspielen vor dem Endspiel gilt: Kampfkraft, Willensstärke und Teamwork können so manchen Mangel ausgleichen. Die deutsche Mannschaft hat solche Qualitäten - und deshalb nicht die schlechtesten Chancen

Der Fußballlehrer Christoph Daum analysiert an dieser Stelle täglich die WM.

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