Sport : Jetzt muss Kobe Bryant helfen

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Benedikt Voigt über die Ankunft des Basketballs in der Neuen Welt

Eine Ahnung hatte Bundestrainer Henrik Dettmann bereits im Mai. „Fahren Sie zur Weltmeisterschaft nach Indianapolis“, sagte er damals zu Journalisten, „es wird eine große Überraschung geben.“ Nur, welche Überraschung meinte er eigentlich? Dass Deutschland zu den besten vier Mannschaften der Welt zählt - und Neuseeland auch? Dass die Südamerikaner aus Argentinien den schönsten Teambasketball zelebrieren? Dass die USA zum ersten Mal mit NBA-Profis ein Spiel verlieren? Dass die USA zum ersten Mal mit NBA-Profis zwei Spiele verlieren? Dass die USA es auf heimischem Boden nicht einmal ins Halbfinale schaffen? Eine Überraschung löst die nächste ab – und diese Weltmeisterschaft ist noch nicht vorüber. Im Gegensatz zu seinen Landsleuten, die das Turnier ignorieren, hat der US-amerikanische Trainer George Karl verstanden, worum es bei einer WM geht. „Ich denke immer noch, dass es ein großes Fest des Basketballs ist.“

Er hat Recht. Diese Weltmeisterschaft hilft dem Sport weiter. Die US-Amerikaner sind von vielen Seiten gewarnt worden, den Rest der Welt nicht zu unterschätzen. Andere Länder haben enorm aufgeholt, wie sich an den unterschiedlichen Nationalitäten der NBA-Spieler und den Erfolgen der multinationalen NBA-Teams Dallas Mavericks oder Sacramento Kings ablesen lässt. Trotzdem ignorierten die USA alle Warnungen, schickten NBA-Stars aus der zweiten Reihe und hielten eine zweiwöchige Vorbereitung auf internationale Regeln und neun Spiele in elf Tagen für ausreichend. Immer noch, dachten sie, reicht es aus, exzellente Basketballspieler zu versammeln, um eine Weltmeisterschaft zu gewinnen. Gut für den Basketball, dass diese Ignoranz bestraft wurde. Plötzlich sagt der Exekutiv-Direktor des US-amerikanischen Basketball-Verbandes, Jim Tooley: „Das ist alles so brandneu, wir müssen jetzt auswerten, was wir für 2004 machen.“ Aus Niederlagen lernt man offensichtlich immer noch am meisten.

Für die Olympischen Spiele in Athen, ein Wettbewerb mit dem auch US- Amerikaner etwas anfangen können, kann diese Weltmeisterschaft nur eine Konsequenz haben. Wenn die USA sich nicht gleich von der Goldmedaille verabschieden wollen, müssen sie das Beste aufbieten, was die NBA bietet. Das wiederum ist eine schlechte Nachricht für Shaquille O’Neal, Kobe Bryant, Allen Iverson oder Kevin Garnett. Das Ende der Sommerpause ist da.

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