Sport : Jetzt sind die Anderen dran

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Von Karin Sturm

Barcelona. In der Formel 1 wird momentan nur ein Thema diskutiert: Ist der Ferrari wegen seines angeblich beweglichen Unterbodens tatsächlich illegal? Und werden die anderen Teams, allen voran McLaren und Williams, mit einem offiziellen Protest darauf reagieren? Doch allen ist klar, dass man die überlegenen Ferrari nicht nur auf dem Weg über das Reglement beikommen kann.

Harte Arbeit ist angesagt, um dem italienischen Alleingang noch etwas entgegenzusetzen. „Ferrari hat mit dem neuen Auto die Messlatte höher gelegt und uns damit zusätzlich motiviert, das Entwicklungsprogramm voranzutreiben“, sagt BMW-Motorsportchef Mario Theissen vor dem Großen Preis von Barcelona am Sonntag. In einem ist er sich jedoch mit seinem Piloten Ralf Schumacher einig: „Barcelona ist für Williams-BMW nicht unbedingt die optimale Strecke, um das auch in Ergebnisse umzusetzen.“

Über die auf der langen Geraden und einigen Bergaufpassagen benötigte Motorleistung verfügt Williams zwar. Abgesehen davon „braucht man hier aber vor allem auch aerodynamische Effizienz“, sagt Ralf Schumacher. Und gibt zu, „dass das nicht gerade unsere Stärke ist. Wir haben schon ein paar neue Teile, aber wir müssen halt schauen, wie das jetzt im Vergleich zum neuen Ferrari aussieht." Das erste Training auf dem Circuit de Catalunya am Freitag gab jedenfalls kaum Anlass für Optimismus. Ralf Schumacher landete auf Rang 15, sein Teamkollege Juan Pablo Montoya gar nur auf Platz 17. Erster war wie erwartet Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen wurde im Arrows überraschend Zweiter.

Der ungetrübte Blick auf die Kräfteverhältnisse wird sich aber wie so oft frühestens beim Qualifikationstraining am Samstag offenbaren. Eine wichtige Rolle werden dabei wohl auch die Reifen spielen. Sowohl Bridgestone als auch Michelin bringen neue Mischungen nach Barcelona. Das sehr warme Wetter käme, zumindest wenn man nach den Erfahrungen der letzten Saison urteilt, eher den Franzosen entgegen. Aber darauf will sich niemand mehr so richtig verlassen.

Denn schon das Rennen in Brasilien hatte gezeigt, dass Bridgestone zumindest im Zusammenspiel mit Ferrari auch bei diesen Bedingungen konkurrenzfähig ist. Deswegen konzentriert sich Schumacher eher auf das Duell mit den ebenfalls Michelin-bereiften McLaren-Mercedes.

McLaren-Mercedes hofft darauf, dieser bisher so miserablen Saison beim Großen Preis von Spanien doch noch eine Wende zu geben. Barcelona war in den letzten Jahren immer eine Strecke, die McLaren lag. Im letzten Jahr gewann zwar Michael Schumacher, aber nur, weil der Führende Mika Häkkinen in der letzten Runde ein paar hundert Meter vor dem Ziel mit einem Defekt stehen blieb. Auch bei den Wintertests waren die McLaren hier eindeutig die Schnellsten. Was zeigt: Das Auto hat zwar viel Potenzial, ist aber schwierig abzustimmen. Beim Testen, mit mehr Zeit, gelingt das - unter dem Druck eines Rennens bisher nicht. Weil es nach dem Wechsel zu Michelin gerade im Bereich der Feinabstimmung des Chassis auf die Reifen noch zu viele Unbekannte gibt. Trotzdem ist der ehemalige Formel-1-Pilot Marc Surer nicht der einzige, der glaubt, „dass McLaren gerade von der hier so wichtigen aerodynamischen Effizienz her das eigentlich deutlich bessere Auto hat als Williams.“ Sie müssten nur endlich alles zusammen kriegen. Gestern gelang das noch nicht. Räikkönen und Coulthard wurden nur Siebter und Zwölfter - immerhin vor den Williams.

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