Sport : Jetzt wird’s konkret

Der Deutsche Sportbund muss Schulden abbauen und Trainingszentren schließen

Robert Ide

Bremen - Erika Dienstl hatte selbst gebackenen Stollen für ihren Präsidenten mitgebracht. „Schmeckt gut“, lobte Manfred von Richthofen, der Chef des Deutschen Sportbundes (DSB), am Freitagnachmittag im Kongresszentrum in Bremen. „Eine schöne kleine Freude machst du uns da.“ Schöne kleine Freuden gibt es derzeit allerdings selten beim größten Sportdachverband des Landes, der mehr als 90 000 Vereine repräsentiert. „Wir sind schon alle sehr betroffen von der Situation“, sagt die lang gediente Funktionärin Dienstl. Wie berichtet, sind im DSB ernsthafte Finanzprobleme zu Tage getreten. Heute soll die Vollversammlung den Haushalt für 2005 verabschieden. Darin ist ein „Jahresfehlbetrag in Höhe von 2,21 Millionen Euro“ ausgewiesen.

Eigentlich wollte Manfred von Richthofen in Bremen vor allem über sein sportpolitisches Lieblingsprojekt reden: die Fusion mit dem Nationalen Olympischen Komitee. Doch die eher abstrakte Strukturdebatte wird mehr und mehr überlagert von einer konkreten Diskussion um die Zukunft des Verbandes und seiner Mitarbeiter. Elf Angestellte des DSB haben schon einen Antrag auf Altersteilzeit gestellt, „und es werden noch weitere hinzukommen“, sagt von Richthofen. Zudem wird diskutiert, Verwaltungstätigkeiten auszulagern, die Zahl der Gremiensitzungen zu begrenzen und öffentlichkeitswirksame Aktionen einzustellen. Seit Wochen verhandeln Verbandsspitze und Betriebsrat über Kürzungen, um die Sparziele der Geschäftsführung zu erreichen. „Wir wollen 2006 einen wirklich ausgeglichenen Haushalt vorlegen“, sagt von Richthofen. Bis auf weiteres allerdings muss der Verband auf seine Rücklagen zurückgreifen.

Alle Bereiche im Breiten- und Spitzensport werden nun auf ihre Effizienz überprüft. Darauf drängt auch die Bundesregierung. „Der deutsche Sport wird voraussichtlich 38 Bundesstützpunkte schließen“, sagte Leistungssportchef Ulrich Feldhoff am Rande des DSB-Treffens. So soll etwa der traditionelle Standort für Boxen in Schwerin aufgegeben werden. Auch der Olympiastützpunkt in Berlin wird ausgedünnt – von den bislang 21 Sportarten sollen nur noch zwölf übrig bleiben. Zu Wochenbeginn hatte es Beratungen über diese Fragen im Bundesinnenministerium gegeben, verlautet aus Funktionärskreisen. Am heutigen Samstag werden die Delegierten des DSB über das Rahmenkonzept für die Sport-Stützpunkte und die wirtschaftliche Zukunft des Verbandes beraten. Für viele nach Bremen gereiste Funktionäre dürfte das wohl keine Freude werden.

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