Sport : Jetzt wird’s ungemütlich

Im Verfahren gegen Radprofi Lance Armstrong werden alte Dopingproben herangezogen

Tom Mustroph
Vorneweg. Bei der Tour 1999 konnte Lance Armstrong niemand folgen.Foto: p-a/dpa
Vorneweg. Bei der Tour 1999 konnte Lance Armstrong niemand folgen.Foto: p-a/dpaFoto: picture-alliance / dpa

Berlin - Die seit Mitte vergangenen Jahres in den USA laufende Dopingermittlung gegen Lance Armstrong weitet sich mittlerweile zu einem internationalen Kriminalfall aus. Wie der neue Direktor der französischen Antidopingbehörde AFLD, Bruno Genevois, der Tageszeitung „Le Monde“ mitteilte, will die AFLD dem US-Fahnder Jeff Novitzky Dopingproben von Lance Armstrong aus dem Jahre 1999 übergeben. „Jeder Bürger muss sich der Justiz stellen, wenn er von ihr gefragt wird. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die AFLD das französisch-amerikanische Rechtshilfeabkommen respektiert. Im Moment hat dieser Prozess aber gerade erst begonnen“, erklärte Genevois gegenüber „Le Monde“.

Damit erreichen die Ermittlungen eine neue Dimension. Und für Armstrong wird es ungemütlicher. Vor sechs Jahren veröffentlichte die französische Sportzeitung „L’Equipe“ Testergebnisse des Dopinglabors Chatenay-Malabry, nach denen der Amerikaner seinen ersten Toursieg 1999 mithilfe von Epo errungen hatte. Das Labor fand in sechs Urinproben Spuren von Doping. Es handelte sich um die B-Proben. In den A-Proben wurde 1999 kein Epo festgestellt. Es wurde allerdings auch nicht danach gesucht. Eine Urinanalyse für Epo wurde vom Radsportweltverband UCI erst ab dem Jahre 2001 eingesetzt. Verboten war die Substanz seit 1990.

Das Testverfahren im Jahr 2005 wurde ursprünglich nur zu wissenschaftlichen Zwecken durchgeführt. Das Labor wollte neue Technologien optimieren. Erst ein Abgleich mit Testprotokollen der UCI ermöglichte „L'Equipe“ die Zuordnung der anonymen Proben zu Armstrong.

Der Aufschrei war seinerzeit riesig. „Zum ersten Mal ist es wissenschaftlich bewiesen, dass Armstrong eine verbotene Substanz namens Epo in seinem Körper hatte“, sagt der damalige Tour-Boss Jean-Marie Leblanc. Aus dem „wissenschaftlichen Beweis“ wurde aber kein sportrechtliches Verfahren. Weder die UCI noch der amerikanische Verband strengten eine Untersuchung an. Die AFLD wurde erst nach der darauffolgenden Tour de France im Oktober 2006 gegründet. Dem damaligen Toursieger Floyd Landis wurde erstmalig in der über 100-jährigen Geschichte des Rennens der Sieg wegen Testosteron-Dopings kurz nach der Siegerehrung aberkannt.

Dass der amerikanische Dopingermittler Jeff Novitzky sich nun die alten Beweismittel sichern will, ist ein Beleg für die Ernsthaftigkeit seiner Untersuchung. Eine auch juristisch gültige Überführung von Lance Armstrong als Epo-Doper ist allein mit der Verschickung der Proben aber noch nicht sicher. Gegenwärtig ist noch nicht bekannt, wie viele B-Proben noch existieren, welche davon den Weg in die USA antreten werden, und ob es sich dabei um Reste der schon analysierten Proben handelt oder um weitere, bislang ungeöffnete. Auch sind die neuerlichen Analysen der Proben erst abzuwarten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es Lance Armstrong an den Kragen geht, ist allerdings größer geworden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben