Sport : „Jetzt wollen wir ein Meer!“

Die Schweiz freut sich über Alinghis Triumph

Ingo Petz[Valencia]

Als der America’s Cup endlich wieder seiner war, jubelte Ernesto Bertarelli überschwänglich. „Ich liebe dieses Team, ich liebe Valencia“, sagte der Alinghi-Eigner. „Ich bin überglücklich. Diese Regatta hat Großes für den Segelsport geleistet.“ Weniger überschwänglich sah die Freude bei Skipper Brad Butterworth aus. Auf die Frage, warum Alinghi denn nun das bessere Team gewesen sei, sagte der Neuseeländer nüchtern: „Wir hatten ein wenig mehr Geschwindigkeit und haben gut gesegelt.“ Wahrscheinlich hat sich der 48-Jährige zu sehr an den Cup-Erfolg gewöhnt. Schließlich nahm er am Dienstag zum vierten Mal nach 1995 die Silberkanne in Empfang. Er stemmte sie über seinen Kopf in den blauen Valencia-Himmel, das Team jubelte, das nicht ganz so zahlreich erschienene Publikum klatschte. Dazu gab es Böllerschüsse, roten Konfettiregen und Red Hot Chili Peppers vom Band. Alinghi verteidigte also den America’s Cup – mit einem 5:2-Sieg gegen den Herausforderer aus Neuseeland.

Vorher hatte die Mannschaft des Milliardärs Bertarelli einen weiteren Segel-Krimi durchstehen müssen. Das letzte Rennen kulminierte in der spannendsten Finalserie seit langem in einem dramatischen Finale: Die Schweizer segelten schließlich mit einer Sekunde Vorsprung zum Sieg. Damit bekam der Final-Thriller einen passenden Abschluss und einen Titelverteidiger, der „in den entscheidenden Momenten immer ein bisschen besser“ war, wie es Neuseelands Steuermann Dean Barker schon am Sonntag formuliert hatte. Allerdings präsentierte sich Alinghi nicht als die dominante Präzisionsmaschine, die in Auckland vor vier Jahren souverän zum ersten europäischen Triumph seit 1851 gesegelt war. Die Schweizer zeigten sich anfälliger, verwundbarer und als kühles Profi-Team.

Wie anders dieses Team ist, konnte man sehen, als Sportdirektor Jochen Schümann bei den abschließenden Erklärungen des Siegers etwas abseits neben Butterworth, Bertarelli und Steuermann Ed Baird saß – so, als ob er nicht zum Team gehörte. Bertarelli vergaß den deutschen Segler sogar in seiner Dankesrede. Vor vier Jahren hatte Butterworth Schümann noch als Stütze des Erfolges gelobt. Nun war der dreifache Olympiasieger eher der Mann in der zweiten Reihe. „Über meine Zukunft mache ich mir Gedanken, wenn das Kopfweh vorbei ist“, sagte Schümann gestern nach der Party-Nacht. Während sich Team Germany den erfolgreichsten deutschen Segler als Sportdirektor wünscht, will der gebürtige Berliner erst alle Optionen prüfen und sich dann entscheiden.

Wenig zurückhaltend wurde derweil der Erfolg in der Schweiz zur Kenntnis genommen. Der „Blick“ widmete Alinghis Sieg gestern neun Seiten und titelte: „Jetzt wollen wir ein Meer!“ Die Schweiz bezeichnet das Boulevardblatt als „Segelnation Nummer 1“. Abseits vom Trubel fragte sich die Zeitung jedoch: „Wie wird Bertarelli den Cup wieder los?“ Denn der Gewinn des America’s Cup ist verbunden mit der Verpflichtung, ihn bei nächster Gelegenheit zu verteidigen. So stehe es in der Stiftungsurkunde von 1857. Und Alinghi sei, so der „Blick“, eine „reine Söldnertruppe“, die den Cup im Auftrag Bertarellis in die Schweiz geholt habe. Alinghi habe es verpasst, einen durchaus vorhandenen Schweizer Nachwuchs an den America’s Cup heranzuführen. „Eine schweizerische und kostengünstige Truppe würde den Cup nicht mit Stil verlieren, sondern mit einem 0:5 absaufen.“

So weit ist es allerdings noch nicht. Der nächste America’s Cup findet frühestens im Jahr 2009 statt. Valencias Chancen als Gastgeber der 33. Auflage sind anscheinend gut: Für den ersten Cup in Europa seit der Premiere vor 156 Jahren hatte Valencia dem America’s-Cup-Management 90 Millionen überwiesen – und ein Vielfaches davon in die Infrastruktur investiert. Die Anstrengungen wurden belohnt, Valencia avancierte inzwischen zu einem sehr gefragten Tourismus-Ziel. mit dpa

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