JIN JINGS HELDENROLLE : In China ein Engel

Die olympische Flamme hielt sie beim Fackellauf vor den Olympischen Spielen durch Paris so fest umschlungen auf dem Arm wie ein Baby. Jetzt umklammert sie das Mikrofon für die Übertragungen des chinesischen Fernsehsenders CCTV in der Mixed Zone der Leichtathletik-Wettbewerbe. Jin Jing, 28, kennt in China jeder. Sie gilt in ihrem Land als Heldin, seit sie beim Fackellauf dem Angriff eines Pro-Tibet-Aktivisten widerstanden hat. „Engel Chinas“ wird sie genannt. Früher war sie eine erfolgreiche Fechterin, nun ist sie als Expertin bei den Paralympics dabei. „Hier arbeiten zu dürfen, ist für mich eine große Ehre“, sagt sie. Ihr rechtes Bein verlor die Sportlerin, als sie neun Jahre jung war. Knochenkrebs, da gab es keine andere Wahl. Über ihr Schicksal redet sie nicht so gerne wie über ihre sportlichen Erfolge. 2005 wurde sie beim Fechtweltcup in Hongkong Fünfte, es war ihr letztes großes Sportevent. Silber bei den Asienspielen 2002 zählt sie zu ihren größten Erfolgen. Wie es ihr in Paris am 7. April dieses Jahres erging, das haben Millionen Chinesen am Bildschirm miterlebt. Jin Jing sitzt mit einem weißroten Sportdress im Rollstuhl, übernimmt die Flamme als Dritte. Stolz hält sie das Feuer. Dann stürzt ein Aktivist auf sie zu, Jin Jing umklammert die Fackel, versucht dem Mann in ihrem Rollstuhl auszuweichen, mit Hilfe der berüchtigten chinesischen Sicherheitskräfte gelingt ihr das, sie wird leicht verletzt. Der französische Präsident Nikolas Sarkozy entschuldigt sich später im Namen des französischen Volkes für die Attacke. „Als das passierte, habe ich nur gedacht, ich muss die Fackel beschützen“, sagt die Frau aus Schanghai. Diese Spiele werden ihr Land, die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen verändern, davon ist Jin Jing überzeugt. „Es kommen so viele Ausländer hierher, wir werden uns gegenseitig bereichern“, sagt sie. Annette Kögel

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