Joachim Löw : „Das Ganze war schon unnötig“

Bundestrainer Joachim Löw sprach mit dem Tagesspiegel über das Ende der Streitigkeiten in der Nationalelf.

Berlin - Am Dienstag stellte Bundestrainer Joachim Löw die Werbekampagne eines Reiseveranstalters vor. Es war sein erster öffentlicher Auftritt nach dem Streit mit Michael Ballack, und obwohl keine Fragen zu sportlichen Themen erwünscht waren, äußerte sich Löw doch noch ausführlich zu der Angelegenheit.

Herr Löw, wie ist Ihre Gemütsverfassung nach dem Ende des Streits mit Michael Ballack?

Es liegt jedenfalls eine intensive Woche hinter mir, die nicht so einfach zu verarbeiten war. Das Ganze war schon unnötig. Aber jetzt schauen wir nach vorne. Ich bin sicher, dass wieder eine gute Basis für eine Zusammenarbeit geschaffen ist.

Gab es Momente, in denen Sie daran gezweifelt haben?

Mir sind in der Tat alle Möglichkeiten durch den Kopf gegangen. Wir haben natürlich auch die sportliche Seite gesehen: Michael Ballack ist ein wichtiger Spieler für die nächsten anderthalb Jahre bis zur WM 2010. Aber entscheidend war, dass er sich von seiner Kritik distanziert hat.

Hat es Sie geärgert, dass die offizielle Verlautbarung am Tag danach so spät kam?

Es hat sich hingezogen, das stimmt. Aber wichtig war nicht die Verlautbarung. Wichtig war für mich das persönliche Gespräch mit Michael Ballack, das Ergebnis dieses Gesprächs und mein Gefühl dabei.

Hat Sie Ballacks Kritik veranlasst, auch über eigene Fehler nachzudenken?

Darüber habe ich nachgedacht. Aber ich wüsste nicht, was wir anders gemacht haben sollten als vorher. Wir wollen einen offenen und fairen Konkurrenzkampf. Das haben wir immer so kommuniziert. Auch im Fall Torsten Frings war das so. Da müssen wir uns keine Vorwürfe machen. Wir werden an dieser Linie festhalten, und zwar zu hundert Prozent.

Könnte der Streit noch Nachwehen haben?

Es wird keine Nachwehen geben – weil das in dieser Form nicht mehr passieren wird. Das weiß auch Michael Ballack in dieser Klarheit.

Wie hat Jens Lehmann darauf reagiert, dass es für ihn gegen England kein inoffizielles Abschiedsspiel geben wird?

Sehr professionell, wie man es von ihm kennt. Er hat es verstanden und akzeptiert. Das Spiel gegen England wäre für ihn ein besonderer Abschluss seiner Karriere in der Nationalmannschaft gewesen. Aber dazu ist das Spiel zu wichtig. Gerade bei den Torhütern wollen wir nach vorne schauen. Sie müssen jetzt Erfahrung sammeln, und wir wollen auf dieser Position einen neuen Konkurrenzkampf.

Fürchten Sie nicht, dass Ihnen wieder mangelnder Respekt im Umgang mit verdienten Nationalspielern vorgeworfen wird?

Nein. Wir können mit Gewissheit von uns behaupten, dass wir unsere Spieler mit Respekt behandeln. Jens Lehmann war in den vier Jahren bei der Nationalmannschaft auch für mich persönlich enorm wichtig. Er war ein klasse Profi und ein wichtiger Gesprächspartner. Aber es geht nicht um Sympathie oder Antipathie, es geht um Leistung.

Aufgezeichnet von Stefan Hermanns.

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