Joachim Löw und Mario Gomez : Härte lässt sich nicht an schwachen Spielern demonstrieren

Joachim Löw hat am Donnerstag die WM-Hoffnung von Mario Gomez endgültig beendet. Ein Zeichen dafür, dass der Bundestrainer im Zweifel zur Härte fähig ist. Und dabei ist Gomez nicht irgendwer. Ein Kommentar.

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Bei der ersten Nominierungsrunde des WM-Kaders sorgte Joachim Löw am Donnerstag für einige Überraschungen.
Bei der ersten Nominierungsrunde des WM-Kaders sorgte Joachim Löw am Donnerstag für einige Überraschungen.Foto: Imago

Mario Gomez hat bis zuletzt daran geglaubt, dass er es noch schaffen wird. Dass er gewissermaßen auf den Punkt fit wird, zum Ende der Saison im Verein und bei der Nationalmannschaft noch ein paar Minuten zum Einspielen bekommt, seinen Rhythmus findet – und sich dadurch auf den letzten Drücker seine Nominierung für die WM in Brasilien verdient. Doch genau an dem Tag, an dem aus Italien die Nachricht überbracht wurde, dass Mario Gomez beim AC Florenz wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen ist, hat Joachim Löw dessen WM-Hoffnung früh und endgültig beendet. Nicht mal zu einem Platz im vorläufigen 30er-Kader hat es für den 28-Jährigen gereicht.

Dabei ist Gomez nicht irgendwer. Bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren war er Deutschlands Stürmer Nummer eins; mit seinen Toren gegen Portugal und Holland hat er die Nationalmannschaft fast alleine ins Viertelfinale geschossen. Und auch wenn er lange verletzt war: Ein gewisses Drohpotenzial für die Gegner ginge vermutlich bei der WM immer noch von ihm aus.

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Auf den ersten Blick hätte deshalb nichts dagegen gesprochen, die Entscheidung in seinem Fall bis zur letzten Sekunde aufzuschieben, Gomez mit ins Trainingslager zu nehmen, seine Form dort in Augenschein zu nehmen – um dann mit den frischen Eindrücken ein finales Urteil zu fällen. So wie es der Bundestrainer offensichtlich bei Benedikt Höwedes und Marcell Jansen vorhat, die nach Löws Kriterien ebenfalls keine Nominierung verdient gehabt hätten. Doch ob Höwedes und Jansen am Ende in Brasilien dabei sind, ist nur bedingt relevant, da beide ohnehin nur als Ersatz vorgesehen wären.

Der Bundestrainer hat sich schon vor Monaten die Restriktion auferlegt, nur Spieler mit zur WM zu nehmen, die fit sind und den hohen Belastungen in Brasilien trotzen können. Mario Gomez ist nun der beste Beweis, dass Löw das nicht nur so dahergesagt hat, sondern im Zweifel auch zur Härte fähig ist. Und Härte lässt sich nun mal nicht an schwachen Spielern demonstrieren. Ein bisschen ist Mario Gomez deshalb auch der eigenen Prominenz zum Opfer gefallen.

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