Jochen Hecht : "Wir sind jetzt stärker auf dem Radar"

NHL-Profi Jochen Hecht über den Aufschwung der Deutschen in der nordamerikanischen Profiliga

Herr Hecht, seit Torwart Thomas Greiss vergangene Woche für San Jose sein Debüt gegeben hat, spielen neun Deutsche in der National Hockey League, so viele wie noch nie. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Zum einen ist sicherlich das Eishockey in Deutschland viel besser geworden, die Nachwuchsarbeit ist besser, die Deutsche Eishockey-Liga ist besser. Zum anderen ist das deutsche Eishockey jetzt viel stärker auf dem Radar der NHL-Teams als noch vor zehn Jahren.

Liegt es nicht auch daran, dass sich Spieler wie Sie und früher Uli Hiemer und Uwe Krupp in der NHL durchgesetzt haben?

Nun, die Teams schicken jetzt zumindest schon mal ihre Scouts nach Deutschland.

Gibt es unter den deutschen Spielern in der NHL einen besonderen Zusammenhalt?

Man sagt sich nach dem Spiel mal Hallo, wenn man gegeneinander gespielt hat, aber es ist nicht so, dass wir jetzt groß Telefonkontakt hätten. Im Grunde sind die anderen Deutschen einfach Kollegen wie alle anderen auch. Jeder hat seinen Spielplan und ist bei seiner Mannschaft eingebunden. Wir sind Profis.

Sie wurden im Herbst von ihrem Team, den Buffalo Sabres, zum Kapitän gewählt, als erster Deutscher in der NHL überhaupt. Was hat das für Sie bedeutet?

Es war ein sehr berührender Moment, wirklich eine große Ehre, vor allem, weil es von den anderen Spielern kam. Es war eine Anerkennung für all die Jahre.

Wie hat sich der Lockout, die Spielpause nach dem Tarifstreit vor zwei Jahren, als Sie für eine Saison wieder in Mannheim gespielt haben, auf Ihr Spiel und Ihre Karriere ausgewirkt?

Seit dem Lockout hat sich das Spiel in der NHL komplett verändert. Mit den neuen Regeln geht es jetzt viel mehr um das Schlittschuhlaufen und nicht mehr so sehr um Kraft oder Körpergröße. Das kommt mir sehr entgegen. Für mich persönlich haben sich die Dinge trotzdem nicht so dramatisch verändert. Ich mache nicht viel mehr Punkte, und meine Eiszeit ist auch gleich geblieben.

Sie haben gerade für vier weitere Jahre bei den Buffalo Sabres unterschrieben. Können Sie sich vorstellen, danach in ihrem Heimatort Mannheim Ihre Karriere ausklingen zu lassen?

Sicher, wenn die Knochen noch mitmachen, kann ich mir das gut vorstellen. Aber vielleicht bekomme ich ja auch in der NHL noch einen Vertrag.

Sie haben bei den Vertragsverhandlungen überhaupt nicht gepokert. Warum wollten Sie in Buffalo bleiben?

Wir haben dort eine junge Mannschaft mit großem Potenzial. Die Sabres haben mir im Frühjahr ein attraktives Angebot gemacht und mir damit gezeigt, dass sie mich unbedingt halten wollen. Dafür war ich dankbar. Es gab keinen Grund für mich weiterzusuchen.

Lag das auch ein wenig daran, dass Sie privat mittlerweile in Buffalo heimisch geworden sind?

Wir wohnen seit sechs Jahren im selben Haus, unsere Kinder werden dort groß. Wir fühlen uns wohl dort.

Fühlen Sie sich so wohl, dass Sie vielleicht auch nach Ihrer Karriere in den USA bleiben?

Bis jetzt haben wir noch vor, irgendwann nach Deutschland zurückzugehen.

Falls die Sabres die Play-offs verpassen, wäre die Weltmeisterschaft in Kanada im Mai für Sie ein Thema?

Natürlich gehe ich davon aus, dass wir in die Play-offs kommen. Aber sicher, die WM ist spät in diesem Jahr, warum nicht? Die Nationalmannschaft ist immer ein Thema, wenn ich Zeit habe.

Wie beurteilen Sie das, was Uwe Krupp mit der Nationalmannschaft macht?

Das Team ist wieder in der A-Gruppe – Uwe Krupp hat Erfolg, sie spielen wieder gut mit. Im Detail kann ich mir aber kein Urteil erlauben, dazu bin ich zu weit weg.

Wie groß ist denn der Stellenwert der Nationalmannschaft für Sie?

Sicher nicht so groß wie die NHL. Bis die Nationalmannschaft so weit ist, Weltmeister werden zu können, dauert das wohl noch ein wenig. Aber wir können mit den Sabres den Stanley Cup gewinnen.

Sie haben mit den Sabres zum Jahresbeginn neun Spiele hintereinander verloren. Wie stark ist Ihr Team in diesem Jahr?

Ich glaube, dass wir eine der stärksten Mannschaften der Liga sind. Unser Selbstvertrauen ist jedenfalls ungebrochen.

Das Gespräch führte Sebastian Moll.

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