Jochen Schümann im Interview : "Segeln ist mein Leben"

Segler Jochen Schümann über sein neues Team, den Traum vom America’s Cup und die Rolle des Skippers.

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Beim America’s Cup vorn. Einst gehörte auch Jochen Schümann (Zweiter von rechts) zum erfolgreichen Alinghi-Team. Foto: Imago

Herr Schümann, Sie haben Ihrem neuen Segelrennstall den Namen All4One gegeben. Werden Sie mit Ihren 55 Jahren plötzlich nostalgisch?



Gute Sachen sollte man nicht vergessen. So hieß nun mal unser Solingboot, mit dem wir Silber bei Olympia 2000 in Sydney geholt haben. Gesegelt sind wir zu dritt, es gab noch einen Ersatzmann. Vier Leute für ein Ziel eben.

Sie sprechen aber heute noch von Ihrer bittersten Niederlage, damals im Finale gegen den Dänen Jesper Bank.

Das war sie auch. Aber das Motto der vier Musketiere ’Einer für alle, alle für einen’ war dennoch die richtige Motivation.

Wie groß ist Ihr neues Team, das Sie als Sportdirektor und Skipper führen?

20 Leute bestreiten dieses deutsch-französische Projekt. Dazu nutzen wir in Valencia die ehemalige America’s-Cup-Basis der Neuseeländer und auch deren Cup-Boote von 2007.

Was ist denn aus der Base des Teams Germany geworden?

Die existiert noch, die Boote sind noch da und auch die Masten. Alles ist dort gut abgeschlossen, also gar nicht zugänglich.

Das klingt nicht danach, dass Sie für Ihr neues Projekt auf deutsche Sponsoren setzen können, oder?

Bis jetzt nicht. Finanziert wird es vom französischen Syndikatschef Stephane Kandler vom ehemaligen America’s- Cup-Team K-Challenge.

Was hat letztlich die Gründung des deutsch-französischen Teams ausgelöst?

Der vor Gerichten nicht enden wollende Streit zwischen Alinghi und BMW Oracle Racing hat dazu geführt, dass die nächste Austragung des America’s Cup immer noch völlig offen ist. Es musste also etwas passieren, damit auch wieder auf hohem Niveau gesegelt werden kann. Übrigens macht BMW Oracle mit und Alinghi hat nichts dagegen.

Warum tun Sie sich das alles noch an?

Segeln ist mein Leben. Ich kann nicht nur ein Detail herausnehmen, das mir besonders gefällt, mir gefällt alles daran.

Mit welchen Kosten rechnen Sie im Vergleich zum America’s Cup?

Mit einem Bruchteil davon. Die Teams haben für den Cup-Zeitraum von 2003 bis 2007 ja etwa 100 Millionen Dollar ausgegeben, die Spitzenteams wie BMW Oracle eher noch mehr. Jetzt gehen wir von zwei Millionen aus.

Wie ist diese Reduzierung möglich?

Die neu gegründete World Sailing Team Association gibt identische Boote vor, die von den Teams gestellt werden. Letztlich segelt nicht jeder mit seinem Boot. Dadurch entfällt der Drang, mit einem besseren Boot den Gegner herauszufordern.

Aber Hochseesegeln faszinierte bisher vor allem auch durch Hightech-Yachten.

Das wird auch so bleiben, aber nicht mehr für 100 Millionen, davon bin ich fest überzeugt. Auch in der Formel 1werden die Kosten deutlich reduziert, aber es bleibt dennoch die Top-Serie im Motorsport.

Ist der America’s Cup noch Ihr Ziel?

Ja. Die Luis Vuitton World Series, mit Start vor Nizza, beenden nur die tatenlose Zeit. Wir trainieren dabei auch für den nächsten America’s Cup. Für 2010 sind Starts in drei weiteren Serien geplant.

Mit Ihnen am Steuer?

Nein, als Skipper. Am Steuer wird der sehr talentierte Franzose Sebastian Col sein. Ich bin Führungsperson an Bord.

Wann segeln Sie als Ur-Berliner mal wieder auf heimischem Gewässer?

Das ist noch offen. Beim Berlin Match Race Ende Oktober auf dem Wannsee wollte ich eigentlich dabei sein. Aber das geht nicht mehr, ich bin ja nun in Nizza.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit.

Jochen Schümann, 55, ist dreimaliger Segel-Olympiasieger und gewann zweimal den America’s Cup auf der Schweizer Hochseeyacht Alinghi. Derzeit lebt der gebürtige Berliner in Valencia.

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