Sport : Joghurt gegen Burger

Benedikt Voigt

Die 28. Olympischen Sommerspiele sind Geschichte, es geht nach Hause – und viele sind verdammt glücklich darüber. Die Kollegin K. geriet in Panik, weil ihr Heimflug erst für Donnerstag angesetzt war. Verzweifelt suchte sie im Internet nach früheren Alternativen und erwog kurzzeitig sogar eine 25-stündige Zugfahrt nach Deutschland. Jetzt freut sie sich über einen Flug am Dienstag nach Hannover. Das muss man sich einmal vorstellen: Lieber Hannover als Athen. War wirklich alles so schlimm? Bestanden diese Spiele nur aus chauvinistischen Zuschauern, bürokratischen Ordnern und endlosen Sicherheitszäunen? Es gibt fünf Dinge, die uns fehlen werden:

Die olympische Spur. Nie wieder werden wir auf der linken Spur an allen anderen vorbeirauschen, nur weil ein Schild mit seltsamen Buchstabenkombinationen wie MPC oder IBC an unserer Windschutzscheibe steckt. Der Stau, das waren die anderen. Bald hat er uns wieder.

Der Überblick über den eigenen Tascheninhalt. Selten waren wir so gut informiert über die Dinge in unseren Hosentaschen. Die ewigen Sicherheitsschleusen hatten einen weiteren Vorteil: Wer alle fünf Meter seine Taschen leeren muss, steckt nur noch das Nötigste ein.

Der Syntagma-Platz. Hier traf sich die Welt. Einen sicheren Hinweis, dass der wunderschön renovierte Platz ein Erfolg war, gab der Bierpreis am Kiosk: Er wurde in der zweiten Woche von 1 Euro auf 1,20 Euro heraufgesetzt.

Joghurt mit Honig. Überall bot ein griechischer Hersteller sein Sortiment an: Joghurt mit Honig, Joghurt mit Pflaumen, Joghurt mit Pfirsich, Joghurt mit Joghurt. Das tröstete ein wenig über die kulinarische Eindimensionalität hinweg, die sich zumeist auf das Angebot einer amerikanischen Burger-Kette und eines holländischen Bierbrauers beschränkte.

Die warmen Nächte. So unansehnlich und heiß Athen tagsüber war, so angenehm waren die Nächte. Um Mitternacht zeigte das Thermometer gestern 24 Grad. Wo gibt es das in Deutschland? Nicht mal in Hannover.

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