Jonas Folger und sein Vater im Interview : „Jetzt ist er ein anderer Mensch“

Jonas Folger fährt als jüngster Pilot bei der Motorrad-WM. Der 15-Jährige und sein Vater sprechen über Alkohol und Reife.

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Jonas Folger, 15 bestreitet als jüngster deutscher Teilnehmer aller Zeiten seine erste Saison in der Motorrad-WM für das...Foto: AP

Herr Jonas Folger, Sie sind beim Motorrad-Grand-Prix in Barcelona Sechster in der 125-ccm-Klasse geworden. Erlaubt Ihnen Ihr Vater einen kleinen Schluck aus der Schampusflasche zur Feier des Tages?



Naja, er hat gesagt, ich darf was trinken, wenn ich auf’s Podest komme (grinst).

Das haben Sie trotz eines starken Rennens, bei dem Sie zu Beginn sogar kurz führten, als Sechster verpasst.

VATER JAKOB FOLGER: Natürlich kann er was trinken. Aber er muss wissen, dass er Sportler ist, und selbst entscheiden, wo die Grenze liegt.

Sie sind mit Ihren 15 Jahren der jüngste Teilnehmer im Feld. Die anderen Motorradpiloten rasen mit kleinen Motorrollern durch das Fahrerlager, Sie fahren aber hier Fahrrad. Dürfen Sie noch nicht im öffentlichen Verkehr fahren?

Ach, ich hab bloß meinen Roller nicht dabei, und hier gibt es keine kostenlosen für die Piloten. Aber mir ist das egal, Hauptsache zwei Räder. Und das ist ja auch gleichzeitig ein bisschen Training.

Ihre ganze Familie hat Ihr Rennen hier live miterlebt. Reisen Sie immer zusammen?

VATER: Die meiste Zeit schon. Diesmal ist er mit mir hergeflogen und die Mama ist mit dem Auto hergekommen, weil sie gleich noch ein bisschen Urlaub macht. Ich versuche, bei den meisten Rennen in Europa dabei zu sein. Auch wenn ich nicht mehr so wichtig bin, glaube ich.

Stimmt das, Jonas?

Ich freu mich, wenn er da ist, aber das muss nicht immer sein. Bei den Überseerennen fliege ich eh meistens allein.

Haben Sie da keine Angst um Ihren Sohn?

VATER: Ach, er boxt sich überall durch, auch allein im Flieger. Wenn er nicht weiter weiß, fragt er einfach jemanden. Er ist schon viel weiter und hat viel mehr mitgemacht als andere in seinem Alter. Er hat ein großes Selbstbewusstsein.

Woher hat er das denn?

VATER: Durch die Zeit an der Rennsportakademie für Talente in Spanien. Da ist er hin, als er noch 12 Jahre alt und einen Meter vierzig groß war. Am Anfang habe ich ihn regelmäßig besucht, irgendwann hat er das ganz allein geschafft. Jetzt ist er ein anderer Mensch. Weil er schon so weit ist, hat man extra für ihn die Einführung des Mindestalters für WM-Rennen von 16 Jahren auf nächste Saison verschoben.

Der Kollege Stefan Bradl hat diese Akademie als schlimmen Drill bezeichnet.

VATER: Dafür muss man auch der Typ sein, ganz klar. Jonas hat auch schon einige Tiefs hinter sich. Stefan braucht es halt noch viel familiärer, aber das ist ja auch nicht schlecht.

Jonas, brauchen Sie Ihre Familie nicht an der Strecke?

Es ist schon schön, wenn sie dabei ist. Hier spricht ja kaum einer Deutsch, es gibt viele Italiener. Ich kenne viele Piloten von der Akademie, eigentlich die Hälfte vom Fahrerfeld.

VATER: Die sind immer gemeinsam unterwegs und machen hier Gaudi.

Was ist denn das für eine Gaudi?

Rumfahren mit dem Roller, DVD-Abende, was essen, so was halt.

Das klingt nach einem großen Ferienlager.

Ja (lacht).

Aber kann man mit seinen Konkurrenten wirklich befreundet sein?

Natürlich, warum soll das nicht gehen? Auf der Strecke schaut’s halt anders aus als im Fahrerlager. Wenn da mal was vorfällt, geht man hin, spricht darüber und entschuldigt sich vielleicht, und dann ist es auch gut.

Sind Sie mit den anderen Deutschen, Sandro Cortese und Stefan Bradl, auch befreundet?

Sandro kenne ich gut. Wir sind keine besten Freunde, aber wir sprechen ab und zu, immer über das gleiche Thema.

Motorräder?

Ja (grinst).

Haben Sie manchmal Heimweh?

VATER: Eher Fernweh…

JONAS: Nein, das macht mir Spaß, ich komme gut herum. Das Fahrerlager ist fast schon wie zu Hause. Aber ich komme auch nach jedem Rennen heim und habe da auch Freunde und mache was mit denen.

Und wie sieht so ein Tag an Ihrem Zuhause, der Strecke, aus?

Ich dusche, frühstücke, gehe in die Box und rede mit den Leuten aus meinem Team, fahre und abends bin ich mit Freunden zusammen. Das ist eigentlich immer derselbe Ablauf. Das Beste ist aber immer das Fahren. Aber nur, wenn es auch passt und man vorn dabei ist.

Wie weit nach vorn sollte es denn gehen?

Das Ziel ist die MotoGP. Aber jetzt will ich erstmal ohne Druck so viele Punkte wie möglich in der 125er sammeln und gucken, dass ich für nächstes Jahr einen guten Platz kriege. Und wenn das alles passt, dann irgendwann aufsteigen.

Und wer entscheidet solche Dinge? Der Vater?

VATER: Ich überlasse die Entscheidungen eigentlich immer ihm. Wir wohnen hier in Barcelona zum Beispiel im Hotel, er hätte auch bei uns wohnen können, aber er will am liebsten im Fahrerlager bei seinen Freunden schlafen. Deswegen haben wir ein Wohnmobil in der Nähe der Strecke angemietet. Was will er auch da draußen allein im Hotel? Hier hat er morgens keine Probleme mit Staus und er hat seine Leute, mit denen er herumziehen und Gaudi machen kann.

Sie klingen nicht wie ein typischer Eislaufvater, der dem Sohn die eigene verpasste Karriere aufdrücken will.

VATER: Es bringt nichts, ihn unter Druck zu setzen. Es muss von ihm selbst kommen und er muss Spaß dabei haben. Ich bin ohnehin nur dabei, damit er sicher ist, falls er mal stürzt oder so. Früher oder später sagt er sowieso: Papa, bleib mal lieber zu Hause.

Das Gespräch führte Christian Hönicke

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