Sport : Jonathan Akpoborie: Kompliziertes Comeback

Kerstin Hebeler

Trainingsauftakt beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Trainer Wolfgang Wolf hat seine Spieler das erste Mal in dieser Saison um sich versammelt. Und ein Stürmer sagt: "Ich freue mich, dass ich wieder am Training des VfL Wolfsburg teilnehmen kann. Ich hoffe auch, dass ich für meinen Verein wieder auf Torjagd gehen kann." Das müsste Wolf doch freuen, wenn sich ein Spieler nach einer Zwangspause mit solch optimistischen Worten zurückmeldet. Doch Jonathan Akpoborie, der diese Worte sprach, war nicht wie andere Spieler wegen einer Verletzung verhindert. Er war auf Druck des VfL-Sponsors und -Gesellschafters Volkswagen vom Verein freigestellt worden, um in Westafrika die Vorwürfe gegen ihn zu entkräften. Auf dem Schiff Etireno, dessen Eigner Akpoborie ist, sollen Kindersklaven transportiert worden sein. Und deshalb ist die Sache mit dem Comeback nun doch etwas komplizierter.

Das Trainingsleibchen seines Vereins trägt Akpoborie nun wieder. Aber ob der 32-Jährige überhaupt noch ein Bundesligaspiel für den VfL Wolfsburg bestreiten wird, ist ungewiss. Erst in rund vier Wochen werden zwei unabhängige Rechtsexperten das Material, das Akpoborie aus Westafrika mitgebracht hat, untersucht und abschließend beurteilt haben. Der Grund: Einer der beiden Gutachter kann wegen eines "unaufschiebbaren Auslandsaufenthaltes", wie der VfL sagt, seine Arbeit derzeit noch nicht aufnehmen. Um eine schnelle Klärung scheint es dem Verein nicht zu gehen. Auch die Aufhebung der Suspendierung hat weniger damit zu tun, dass Wolfsburg die Zukunft mit Akpoborie plant. Sie hängt wohl eher mit dem deutschen Arbeitsrecht zusammen. In dieser ungeklärten Situation hätte Akpoborie seine Teilnahme am Training einklagen können.

Und Akpoborie, überzeugt von seiner Unschuld, hatte sowieso vor, zum Trainingsauftakt zu erscheinen. "Akpoborie hat noch einen gültigen Vertrag bis zum 30. Juni 2003", sagt Ulf Zimmermann von Akpobories Beratungsfirma Rogon. "Und den Vertrag möchte er einhalten."

Inzwischen gilt es als gesichert, dass auf dem Fährschiff Etireno Kinder zum Arbeiten nach Gabun gebracht werden sollten. Das sagt auch Akpoborie. Doch der nigerianische Nationalspieler betont, dass er davon nichts gewusst habe und als Eigentümer des Schiffes strafrechtlich nicht schuldig sei. Die örtlichen Behörden in Benin, wo das Schiff auslief, seien für die Kontrolle der Passagiere zuständig. Es ist allerdings fraglich, ob es für VW und den VfL Wolfsburg letztendlich einen Unterschied macht, ob Akpoborie unschuldig ist oder nicht. Der VW-Konzern, der zahlreiche humanitäre Organisationen unterstützt, möchte nicht in Verbindung mit Kinderhandel gebracht werden. Und hatte sich daher in der Vergangenheit für eine Trennung von Akpoborie ausgesprochen.

Der VfL Wolfsburg wiederum teilte mit, dass er erst am vergangenen Mittwoch das Material zur Aufklärung der Vorwürfe von Akpoborie erhalten hätte. Es heißt weiter: "Dem ist eine zweimalige schriftliche Aufforderung des Vereins vorausgegangen. Es fehlen nach wie vor die Ermittlungsergebnisse der Polizeibehörden in Benin." Dieser Darstellung widerspricht Akpoborie auf seiner Internet-Seite: "Das ist absolut nicht wahr." Nach seiner Rückkehr aus Afrika habe der VfL sich eine Woche nicht gemeldet. "Die Unterlagen lagen inzwischen meinem Anwalt vor. Als der Verein diese Unterlagen anforderte, hat mein Anwalt sofort reagiert." Die Schriftstücke seien dem Bundesligisten angeboten und auf den Abschlussbericht der Behörden in Benin sei hingewiesen worden. "Daraufhin ließ der VfL Wolfsburg wieder eine Woche verstreichen, bevor der Verein auf Vorlage der Unterlagen auch ohne den Abschlussbericht bestand."

Akpoborie war zwischenzeitlich mit Besiktas Istanbul in Verbindung gebracht worden. Akpoborie schien einem Wechsel in die Türkei nicht abgeneigt. Er wollte allerdings ablösefrei gehen. Doch der VfL Wolfsburg soll eine Ablösesumme zwischen zwei und drei Millionen Mark gefordert haben. Dann sagte Akpoborie, er wolle in Wolfsburg bleiben. Trainer Wolf hat offenbar nichts dagegen: "Jonny wird ganz normal mittrainieren, er wird ganz normal behandelt - wie jeder andere auch."

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