Jos Luhukay und die Erwartungen : Hertha hat ein Recht auf schlechte Spiele

Muss man ein 0:0 gegen den Tabellenvorletzten akzeptieren? Hertha-Trainer Jos Luhukay wehrt sich gegen die hohen Ansprüche an seine Mannschaft – und stellt eine eigenwillige These auf.

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Fordert Recht auf schlechte Spiele: Jos Luhukay
Fordert Recht auf schlechte Spiele: Jos LuhukayFoto: Imago

Auf einmal gingen Pfiffe durch den Medienraum bei Hertha BSC. Keiner der Anwesenden konnte sie hören – Jos Luhukay schon. Der Trainer sollte eigentlich über das kommende Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 reden, doch Luhukay war emotional noch beim vergangenen Heimspiel. Nach dem 0:0 gegen den SC Freiburg hatten die Zuschauer gepfiffen. „Das ist traurig, wenn solche Reaktionen kommen“, sagte Luhukay. Sein Team habe sich nach der bisher guten Saisonleistung das Recht verdient, auch einmal schlecht zu spielen.

Den Termin zwei Tage vor Spielen nutzt Luhukay gerne einmal, um grundsätzliche Ansagen loszuwerden an die Zuschauer- und Zuhörerschaft. Meist kommt Luhukay auf Themen, die ihm unter den Nägeln brennen, ohne dass ihn jemand darauf anspricht. Doch ist Luhukay in solchen Momenten zu emotional, um seine Ausbrüche als gänzlich kalkuliert zu bezeichnen. Am Freitag überschlug sich seine Stimme, er sei „tief gekränkt“, „das geht ins Innere hinein“.

Nicht zum ersten Mal in seiner Berliner Zeit fehlt ihm die Anerkennung. Richtung Reporter sagte er: „Ihr seht immer noch die große Hertha, das große Berlin. Ich bin da nüchterner und realistischer, aber das wird nicht geteilt.“ Die Einschätzung, einen Gegner wie den Tabellenvorletzten Freiburg müsse man zu Hause schlagen, teilte er nicht. „Wir messen uns jede Woche mit Vereinen, die ganz andere Möglichkeiten haben als wir.“

Luhukay beneidet den FSV Mainz 05

Als Beispiel nannte er den kommenden Gegner. Mainz 05 beschäftige starke Offensivspieler wie Okazaki, Choupo-Moting, Müller oder Koo und habe dazu noch Alternativen auf der Bank. „Ich hätte auch gerne einmal fünf Millionen für Koo ausgegeben“, sagte Luhukay über den Mainzer Winterneuzgang aus Wolfsburg, an dem Hertha lange interessiert gewesen sei. „Doch da kommen wir gar nicht heran.“ Michael Preetz saß daneben und lächelte bei der Debatte über das Berliner Anspruchsenken. „Ich schaue dem Treiben amüsiert zu, ich bin schon länger hier und weiß wie es ist“, sagte der Manager. Man wolle sich Schritt für Schritt entwickeln, um irgendwann größere Transfers zu stemmen.

Am Sonntag fehlen Hertha erstmal die Verletzten Lustenberger, Ben-Hatira und Cigerci. Brooks und Skjelbred sind angeschlagen, der wiedergenesene Baumjohann ist noch keine Alternative. Zudem drohen Hosogai, Langkamp, Pekarik und Ronny Gelbsperren. „Es fallen Topspieler aus und wir sollen immer Topleistungen bringen“, klagte Luhukay.

Fragen zur Heimschwäche könne er da nicht mehr hören. Und dann stellte er eine eigenwillige These auf: „Wir spielen zu Hause besser als auswärts, holen aber weniger Punkte“, sagte Luhukay. Im Olympiastadion sei Hertha dominanter, nutze aber in fremden Stadien die wenigen Torchancen besser aus. In Mainz würde wohl kein Berliner pfeifen, wenn sich diese Erwartung erfüllen sollte.

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