Sport : Joseph Blatters Abschiedsfilm

Robert Ide

Die Infrastruktur nicht intakt. Die Gesellschaft gespalten in sehr Arme und sehr Reiche. Auf den Straßen offene Gewalt. Und hier soll die Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden? Lieber nicht, sagte Kolumbiens Staatspräsident, und gab das Turnier zurück. Die WM 1986 fand in Mexiko statt.

Die Infrastruktur rund um die Stadien nicht intakt, die Gesellschaft gespalten in Arme und Reiche (und unterschwellig auch noch in Schwarze und Weiße), auf den Straßen offene Kriminalität. Vielleicht lieber doch keine WM 2010 in Südafrika? Das fragt sich derzeit Fifa-Präsident Joseph Blatter und bringt erstmals einige Ersatzkandidaten ins Spiel. Wird der Traum von der ersten WM in Afrika bald abgesagt?

Nein, eher nicht. Denn in der Welt von Joseph Blatter zählen noch andere Dinge als die gute Organisation einer WM. Der 71 Jahre alte Fifa-Präsident, der sich im Juni für vier weitere Jahre inthronisieren lassen will, denkt darüber nach, wie er in die Sportgeschichte eingehen kann. Bislang hat Blatter das Bild nicht abstreifen können, das sich die Öffentlichkeit von ihm gemacht hat – das Bild vom korrupten Funktionär, der seine Macht mit vordemokratischen Methoden verteidigt. Bei der WM in Deutschland wurde er mitsamt seiner Fifa ausgepfiffen.

Die erste WM in Afrika soll Joseph S. Blatters farbenfroher, rührender Abschiedsfilm werden. Darum schimpft er so vehement auf die Organisatoren in Südafrika. Die Dreharbeiten sollen nicht ins Stocken geraten – schon gar nicht durch Probleme, die ein Land wie Südafrika tatsächlich hat.Seite 2

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