• Jubel an den Pilgerstätten der Fans Wie der WM-Sieg in Kerpen und Maranello gefeiert wurde

Sport : Jubel an den Pilgerstätten der Fans Wie der WM-Sieg in Kerpen und Maranello gefeiert wurde

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Kerpen/Maranello (dpa). In Kerpen, der Geburtsstadt von Michael Schumacher, sahen gestern tausende Menschen Rot. Ferrari-Rot. Schon während der letzten Runden von Michael Schumacher beim Großen Preis von Frankreich in Magny-Cours feierten die Kerpener den neuen und alten Formel-1-Weltmeister euphorisch. Knapp 1000 Fans hatten sich in der Nähe des Rathauses versammelt, um dort vor einer Großbildleinwand mitzufiebern und zu feiern.

Als Schumacher als Sieger der Ziellinie überquerte und Weltmeister wurde, war die Begeisterung grenzenlos. „Unseren Schumi kann keiner schlagen“, sagte Motorsport-Fan Richard Meyer. Schon vor dem Rennen hatte er prophezeit: „Schumacher schafft das heute schon, er ist einfach der beste Fahrer.“ Meyer war extra von der niederländischen Grenze zum Geburtsort seines Idols gekommen. Jedes gute Manöver von Schumacher wurde bejubelt. Eine gewisse Anspannung nur mal kurzzeitig nach dem Rennen, als unklar war, ob Schumacher einen Regelverstoß begangen hatte, und ob ihm möglicherweise der Sieg aberkannt würde. Aber das passierte ja nicht.

Die Formel-1-Party in Kerpen zieht mittlerweile Fans aus ganz Deutschland an. Mario Weißendorn war am Sonntagmorgen aus Eisenach angereist. „Das ist wie eine große Familie hier, besser feiern als in Kerpen kann man nirgendwo.“ Schumacher ließ sich kurz nach dem Rennen sogar live in die Kerpener Jahnhalle schalten.

In dem sonst eher ruhigen Ort in der Nähe von Köln hat sich Ferrari zu einer Art zweiten Religion entwickelt. Fahnen der Scuderia wehten aus vielen Fenstern, aus den Wohnzimmern drangen Motorengeräusche. Die meisten Fans trugen zumindest eine rote Kappe, die Profis unter den Schumacher-Anhängern kamen im perfekten Team-Outfit. Die 15 000-Einwohner-Stadt wird mehr und mehr zu einer kleinen Pilgerstätte der Formel-1-Fans.

Auch in Maranello, wo Ferrari seine Zentrale hat, wurde selbstverständlich gejubelt. „Grande Schumi, du bist der Größte“, schrien die Fans. Die rot gekleideten Schumacher-Anhänger zogen mit Ferrari-Fahnen zum Ferrari-Werk und zum Kirchplatz, wo Pfarrer Don Bernasconi zum Zeichen des Sieges die Kirchenglocken läutete – das hat Tradition in Maranello. „Schumi, jetzt bist du eine Legende“, schrien die Fans. „Das Auditorium Enzo Ferrari in Maranello ist beinahe explodiert, als Schumacher gewann“, berichtete das italienische Fernsehen. In dem Auditorium hatte es die Ferrari-Fans nicht mehr auf ihren Sitzen gehalten.

In Rom, Mailand, Neapel und Turin feierten die Tifosi mit hupenden Autokorsos. Mit Ferrari-Fahnen, Fanfaren und Trillerpfeifen zogen sie durch die Straßen auf die großen Plätze. An den Urlaubsstränden Italiens stiegen hunderte spontaner Partys. Überall hatten die Strandbars Fernseher aufgestellt. Als Schumacher gerührt seinem Team dankte und „Ich liebe euch alle“, rief, war der Jubel grenzenlos. „Schumacher ist ein großer Champion. Jetzt hoffe ich, dass er zum größten Piloten aller Zeiten wird“, sagte Ferrari-Besitzer Gianni Agnelli. Viele Fans freilich hatten bei dem dramatischen Rennen zwischenzeitlich nicht mehr mit Schumachers Erfolg gerechnet. Umso größer war der Jubel, als der Deutsche doch noch gewann.

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