Sport : Jubel bei der Tour – trotz Valverde

Sebastian Moll

Auray - Schöner hätten sich die Veranstalter der Tour de France das erste Wochenende ihres Rennens nicht wünschen können. Der Himmel leuchtete tief blau über der französischen Atlantikküste, eine angenehme Brise ließ die Segelschiffe beschaulich im Hafen des Startortes Brest hin und her schaukeln. Vor allem aber säumten die Fans in solchen Massen die Strecke, wie das selbst kühnste Optimisten nach der Katastrophentour 2007 nicht zu träumen gewagt hätten.

Die ersten Rennen waren nach dem Geschmack der Tour-Fans: Dramatische Hetzjagden, am Samstag ein Finale mit fiesen Schlussanstieg, am Sonntag ein Massensturz. Da vermochte es nicht einmal die Begeisterung trüben, dass es ausgerechnet der Spanier Alejandro Valverde war, der sich als erster Fahrer in diesem Jahr das Gelbe Trikot überziehen durfte. Er wurde auch am Sonntag bei jeder Ortsdurchfahrt umjubelt. Dass er ein Hauptverdächtiger in der Dopingaffäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes ist, tat der Ausgelassenheit keinen Abbruch.

Man ist in Frankreich entschlossen, die Tour zu genießen. So feierte die Sporttageszeitung „L’Equipe“ am Sonntag auf ihren ersten drei Seiten den großartigen Sieg von Valverde und kürte ihn zum „Fürsten der Bretagne“. Schon vor dem Tour-Auftakt hatte es an den Spanier nur eine kritische Frage zur Operacion Puerto gegeben, und die tat Valverde mit dem Kommentar ab, dass es wohl immer Zweifler geben werde, daran könne er nichts ändern. Nach der ersten Etappe gab Valverde zum Thema Fuentes „keinen Kommentar“ ab und widmete stattdessen seinen Sieg „allen wahren Fans des Radsports“. Als er am Sonntag in seinem Gelben Trikot zur zweiten Etappe schritt, kam Valverde vor lauter Autogrammeschreiben kaum bis zur Startlinie. Er schaffte es schließlich – und verteidigte das Gelbe Trikot. Die Etappe gewann der Norweger Thor Hushovd.

Das nationale Radsportfest Tour de France ist voll in Schwung. Doping war letztes Jahr. Sebastian Moll

Wie ARD und ZDF berichten: Seite 31

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